SWR3 Gedanken
„Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“ Der Satz ist aus dem Buch „Hiob“ von Joseph Roth. Es ist schon Jahre her, dass ich es gelesen habe, aber an diesen Satz erinnere ich mich bis heute. „Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“ Erst fand ich ihn etwas seltsam. Warum soll Glück schwer sein? Glück fühlt sich doch leicht an. Glück ist, wenn alles passt und so gar nichts schwer ist. Oder?
Ich liege manchmal im Bett neben meinem kleinen Sohn und schaue ihm beim Schlafen zu. Dann bin ich überglücklich; dass er da ist und es ihm gut geht. So unglaublich glücklich, dass ich schon wieder Angst habe, dass es gleich vorbei sein könnte. Dass es ein Leben ohne diesen kleinen Menschen geben könnte, der mir alles bedeutet. Dann läuft mein Herz über vor Glück – und gleichzeitig fühlt es sich schwer an.
Das geht mir oft so; dass die richtig intensiven Glücksmomente sich auch schwer anfühlen. Weil mir dann bewusst wird, wieviel ich zu verlieren habe.
Die „Schwere des Glücks“. Für mich sind das kostbare Momente. Tief und schön und schwer. Aber auch so intensiv, dass ich es manchmal kaum aushalte. Mir hilft es dann, wenn ich etwas von der Schwere abgebe. An Gott. Ich bitte Gott, dass er bei allem, was kommt – dem Leichten und dem Schweren, an meiner Seite ist. Und die Schwere des Glücks gemeinsam mit mir trägt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41403