SWR Kultur Wort zum Tag

21DEZ2024
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Wie feiern junge Leute Weihnachten? Ich habe einige Jahre als Lehrer an einer Berufsschule gearbeitet. Erzieherinnen, KFZ-Mechaniker und Bankangestellte. Nach dem Jahreswechsel habe ich die jungen Leute gefragt: Wie habt Ihr Weihnachten gefeiert?

In den Gottesdienst sind an Weihnachten nur noch ganz wenige meiner Schüler gegangen. Ein typischer Weihnachtstag sieht wohl so aus: Mittagessen bei der Familie von Mama, Geschenke auspacken und mit Oma sprechen. Dann zum Abendessen zu Papa, wieder gibt es Geschenke. Der Abend läuft dann gemütlich aus. Manche chillen auf dem Sofa, andere treffen sich noch mit Freunden auf einen Glühwein.

Da sich bei vielen jungen Leuten die Eltern getrennt haben, kann Weihnachten zu einer kleinen Rundreise werden. Beide Eltern wollen nacheinander besucht sein, die neuen Partner sind mit von der Partie, und die Großeltern tauchen auch noch auf. Oder es bleibt sehr überschaubar: Eine Jugendliche, die allein mit ihrer Mutter feiert und vom Vater seit Jahren nichts gehört hat.

Als Theologe habe ich ganz andere Bilder im Kopf: Krippenspiel, Kirchenchor und großer Weihnachtsbaum. Ein Fest des Friedens und der Familie – mit viel Tradition. Weihnachten ist für mich ganz anders als alle anderen Tage: Den Baum schmücke ich erst kurz vor dem Fest. Das Rezept für das Essen stammt von meiner Urgroßmutter. Und der Gottesdienst ist für mich ein Höhepunkt des Jahres.  Aber wehe, wenn nicht alles so klappt, wie ich es mir vorstelle.

Von meinen Schülern habe ich gelernt, dass an Weihnachten nicht alles perfekt sein muss. Dann gibt es halt kein Festessen, sondern nur Pizza. Dann fallen die Geschenke halt kleiner aus. Trotzdem ist Weihnachten für sie keine verlorene Zeit. Viele von ihnen suchen nach Sinn und kommen über die Feiertage auf andere Gedanken.

Leon hat zum Beispiel erzählt, wie er Weihnachten mit seiner kleinen Halbschwester gefeiert hat. In der Zweizimmerwohnung erklingen die Weihnachtshits der Popstars. Der Höhepunkt für Leon war, wie er seiner Schwester mit dem neuen Puppenhaus geholfen hat. So viel Zeit nimmt er sich sonst nie für sie.

Ich nehme daraus mit: Weihnachten lebt von solchen Momenten. Vom Raum für persönliche Geschichten und offene Gespräche. Vielleicht gehen Traditionen verloren, vielleicht weiß niemand in der Familie, warum die Geburt Jesu eigentlich gefeiert wird. Aber wenn das Fest die Herzen berührt, liegt darin auch ein Wert. In solchen unscheinbaren Momenten blitzt für mich ein Stück vom Himmel auf.

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