Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Zwischen den Jahren. So nennen viele die Tage nach Weihnachten bis Silvester. Das alte Jahr ist fast vorbei und das Neue steht in den Startlöchern. Die Zeit fühlt sich wie so ein „dazwischen“ an. Für mich sind das ganz wertvolle Tage. Oft erledige ich noch, was liegen geblieben oder zu kurz gekommen ist. Papiere abheften. Liebe Menschen anrufen. Frische Luft tanken. Und besonders gern blättere ich durch meinen Kalender. Und lass das alte Jahr ein wenig in Gedanken an mir vorbeiziehen. Jedes Jahr staune ich von Neuem, was alles los war. Was ich auf meinem Weg durch das Jahr geschafft habe. Worüber ich mich gefreut und was ich gefeiert habe. Und auch was schwer war. Ich denke an Menschen, die ich neu kennengelernt habe und erinnere mich an jene, die gestorben sind. Viele unterschiedliche Blitzlichter aus dem vergangenen Jahr tauchen vor meinen Augen und in meinen Gedanken auf.
Dabei komme ich mir manchmal vor wie die Sterndeuter aus der Weihnachtserzählung. Die sind auch auf dem Weg. Sie suchen Gottes Spuren - und finden sie an einem ganz außergewöhnlichen Ort. Nicht bei Herodes im Palast. Nicht im Tempel oder einer Synagoge. Sie finden sie bei einem Kind in einer Krippe. Ganz unscheinbar. Armselig. Ganz anders als gedacht.
Und wenn ich auf mein Jahr schaue? Dann kann ich überlegen: Wo habe ich gespürt, dass mich etwas tief berührt, überrascht, zum Staunen gebracht hat? Wo war mir Gott ganz nah?
Vielleicht als wir ein großes Fest gefeiert haben. Vielleicht als plötzlich eine Lösung für ein Problem da war. Vielleicht als ich eine alte Freundin wieder getroffen habe. Vielleicht als ich weinen musste. Vielleicht … Ja, ich glaube auch heute kann ich wie die Sterndeuter Gottes Spuren finden. Wenn ich überall dort suche, wo mich etwas tief innen anrührt. Wo etwas aufleuchtet. Hell wie Sterne.
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