Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

19NOV2024
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Waren Sie in letzter Zeit auf einer Trauerfeier? Durch meinen Beruf bin ich bei vielen Beerdigungen und ich erlebe dabei etwas von dem, was die Bibel für das Zusammenleben von Menschen empfiehlt: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Trauernden!“*. Wie gut, dass es Verwandte, Freunde und Nachbarn, Kolleginnen und Wegbegleiterinnen gibt, die sich die Zeit nehmen, um den Verstorbenen noch einmal Respekt zu erweisen und die Angehörigen zu stärken.

Solche Nähe zu zeigen, oft ohne viele Worte, das ist etwas ganz und gar Wertvolles. Man kommt nicht als Zuschauer, sondern als Teilnehmer. Eigentlich sogar als An-teilnehmer. Und ich wünschte mir, dass viel mehr Menschen bei Trauerfeiern mit diesem Selbstbewusstsein dabei sind.

Eine Frau fällt mir ein, die mich in diesem Sinn sehr beeindruckt hat:
Sie kam zur Trauerfeier, da war die kleine Halle schon ziemlich voll. Einzelne standen schon hinten an der Wand. Aber vorn, direkt hinter der Familie war eine ganze Bankreihe leer! Niemand wollte sich dorthin setzen, obwohl deutlich war, dass da keine Plätze reserviert waren.
Die Frau ging nach vorn und setzte sich in diese zweite Reihe, direkt hinter die Witwe und den Sohn. Später sagte sie mir: „Wir waren doch alle da, um der Familie den Rücken zu stärken! Und genau in ihrem Rücken saß überhaupt niemand!“

Sie setzte sich also und sie begrüßte die Familie nicht, anders als andere, die die Witwe und den Sohn sofort überfallen hatten, mit all ihren eigenen Gedanken und ihrem Leid. Sie setzte sich und war einfach da. Teilnehmerin mit einem Ziel: Die Angehörigen sollten spüren, dass der Verstorbene wichtig ist und dass sie nicht allein sind.

Später, am Grab, fiel sie mir noch einmal auf. Das ist immer eine schwierige Situation für die, die nicht so nah dran sind. Was sagt man da? - Diese Frau hat ganz kurz etwas über den Verstorbenen gesagt.
Sie hat gesagt, dass sie mit ihm einige Jahre zusammengearbeitet hat. Er hat sie beeindruckt, weil er freundlich und hilfsbereit war. Blitzschnell im Kopfrechnen sei er außerdem gewesen. Und: Er hat so liebevoll von seiner Frau und seinem Sohn gesprochen. Deshalb sei sie heute gekommen, um ihnen das zu sagen.

Mit dem Selbstbewusstsein, nicht nur Zuschauerin, sondern Teilnehmerin und Anteilnehmerin zu sein, hat sie mehr getan, als Kraft zu wünschen. Sie hat Kraft gegeben.

*Römer 12,15

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