SWR4 Abendgedanken

22NOV2024
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Heute Abend muss ich mal zwei richtig platte Stammtischparolen zitieren. Ich höre sie leider immer wieder: auf dem Schulhof oder abends auf dem Dorffest. Schlimme Sätze wie: „Die Juden kontrollieren die Welt.“ und „Schwule sind doch alle krank.“ Wenn jemand so was sagt, will ich das nicht so stehen lassen. Aber meistens bin ich nicht besonders schlagfertig.

Jetzt hab ich genau passend dazu eine App für mein Handy gefunden. Sie heißt „Konterbunt“. Ja, richtig gehört: „konterbunt“ – vorne mit einem „o“. Diese Wortschöpfung aus „kontern“ und „bunt“ ist genial, denn es geht darum dagegen zu halten, wenn jemand was Diskriminierendes sagt. Denn jeder hat das Recht zu glauben, was er oder sie will und zu lieben, wen man will. Und niemand darf wegen seiner Herkunft diskriminiert werden oder weil er eine andere Hautfarbe oder eine Behinderung hat. Das macht unsere Gesellschaft bunt und ist sehr bereichernd.

„Konterbunt“ liefert Argumente für die Hosentasche. Und wenn ich zum Beispiel meine Tochter vom Tanzen abhole und im Auto warte, kann ich mit der App mal eben schnell trainieren, was eine gute Antwort auf solche Parolen ist. Die App schlägt mir verschiedene Sätze vor und ich suche die Antwort aus, die am besten passt. Zum Beispiel kann ich auf die üble Parole „Schwule sind doch alle krank.“ antworten: „Wie würde es dir gehen, wenn jemand deine Gefühle als Krankheit beschreibt?“ Ich bin realistisch: Mein Gegenüber wird bestimmt nicht gleich überzeugt sein, nur weil ich einen guten Konter bringe. Aber vielleicht denkt er oder sie nach dem Gespräch nochmal drüber nach. Und alle drumherum merken, dass man sich solche Sätze nicht einfach anhören muss, sondern was dazu sagen kann.

Hinzustehen und Haltung zu zeigen, wenn jemand Parolen schwingt, das hat Jesus auch wunderbar vorgemacht. Er hat sich konsequent auf die Seite derer gestellt, die in der Gesellschaft verachtet wurden. Und ich finde, dass „Konterbunt“ Jesus-mäßig aufgebaut ist. Die App trainiert einen nämlich genau in die Richtung: dass ich den anderen nicht bloßstelle und nicht provoziere. Denn – so sagt die App – wer eskaliert, verliert. Wenn ich aber trotzdem dagegen halte und wir es schaffen, im Gespräch zu bleiben, dann gibt es vielleicht die Chance, dass mein Gegenüber seine Meinung ändert.

Es ist wichtig, diejenigen zu unterstützen, die diskriminiert werden. Und dass wir miteinander reden. Für ein gutes Gesprächsklima braucht es ganz viele, die die richtigen Worte finden. Es ist klasse, wenn „Konterbunt“ dabei hilft.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41049
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