SWR4 Abendgedanken

20NOV2024
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„Bitte anklopfen, sonst werdet ihr zu Schnitzel!“ Das hat meine Tochter auf einen Zettel gekritzelt und an ihre Zimmertür gehängt. Wir sind vor ein paar Wochen umgezogen, seitdem hat sie ein eigenes Zimmer. Und sie legt großen Wert darauf, dass niemand ungefragt reinplatzt. Das ist ihr gutes Recht. Dafür steht sie ein. Und das finde ich – auch wenn’s manchmal anstrengend ist – richtig gut. Es ärgert mich zwar auch irgendwie, dass sie uns droht. Aber gleichzeitig bin ich auch glücklich, dass sie so selbstbewusst sein kann. Und dass sie weiß, was ihre Rechte sind, auch als Kind.

Genau heute vor 35 Jahren haben die Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention verabschiedet. Dort sind die sog. „Kinderrechte“ festgelegt. Zum Beispiel das Recht jedes Kindes auf gewaltfreie Erziehung, das Recht, eine Schule zu besuchen und das Recht auf Freizeit, also zu spielen, sich zu erholen und kreativ zu sein. Knapp zweihundert Staaten haben die Konvention unterzeichnet und sich verpflichtet, die Kinderrechte politisch zu berücksichtigen.

Das klingt gut, aber die Realität sieht meistens anders aus. Denn vielen Kindern in der Welt geht es schlecht: 250 Millionen von ihnen, vor allem Mädchen, gehen nicht in die Schule und ganz viele von ihnen müssen arbeiten und werden dabei ausgebeutet. Und auch bei uns in Deutschland ist nicht alles in Butter: Viele Kinder sind arm oder Kindergärten und Schulen sind total unterfinanziert, so dass Unterricht in maroden Gebäuden stattfindet oder gleich ganz ausfällt.

Weil das mit den Kinderrechten so wichtig ist, gibt es nicht nur offiziell den „Internationalen Tag der Kinderrechte“ heute, sondern auch in gut sechs Wochen eine riesige Aktion. Dieses Jahr setzen sich nämlich auch die Sternsinger besonders für Kinderrechte ein. Sie sammeln Spenden für Projekte auf der ganzen Welt, die Kindern helfen, deren Rechte eben nicht geachtet werden.

Meine Tochter wird auch wieder mitmachen. Das passt gut zu ihr. Denn sie kann sich super in andere Kinder hineinversetzen und merkt sofort, wenn es irgendwo nicht gerecht zugeht. Wenn sie bei den Sternsingern genauso energisch dabei ist, wie sie das Recht auf ihr Kinderzimmerreich einfordert, wird das im Januar eine gute Sache.

Und was dabei auch noch ein starker Nebeneffekt ist: Sie sieht, dass sie nicht machtlos ist, sondern dass sie was bewegen kann. Dass es sich lohnt, wenn sie aufsteht und sich für andere stark macht. Auch in Sachen Kinderrechte.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41047
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