SWR4 Abendgedanken

19NOV2024
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Ich war im ersten Moment erschrocken. Und sofort hatte ich diesen Satz im Kopf: „Das gehört sich doch nicht.“ Ein Lied über Laster und Prostitution beim Warten auf den Papst. Die katholische Kirche ist doch in ihrer Lehre über Sexualität eindeutig. Und selbst wenn die Jugendlichen das nicht so genau wissen, es muss ihnen doch klar sein, dass dieses Lied hier kurz vor dem Vatikan so gar nicht passt. Das denke ich zumindest. Aber offenbar stolpere nur ich über den Stilbruch. Ein paar Minuten später singen sie was ganz Anderes und als wir dann auf dem Petersplatz sind, hören sie aufmerksam dem Papst zu.

An diesem Nachmittag in Rom hab ich mal wieder gelernt, was es heißt, katholisch zu sein. Also dass das, was die Jugendlichen machen, eben auch katholisch ist. Auch wenn manche Kirchenleute rote Ohren kriegen. Die Ministranten, die bei der Wallfahrt dabei waren, sind die Zukunft unserer Kirche. Und sie gehen erfrischend unverkrampft an die Themen ran und fühlen sich wunderbar wohl dabei.

Und ganz allgemein sind Verkrampfungen nichts Gutes. Sie machen eng und schränken ein. Natürlich ist es wichtig, auf Grenzen zu achten und anständig miteinander umzugehen. Aber je nach Situation tut es gut, auch mal locker zu bleiben und das Ganze mit einem Augenzwinkern zu nehmen. Denn das wirkt Wunder: Meine Jugendlichen in Rom haben mit ihrem Humor die heftige Hitze überstanden. Sollen sie dabei doch singen, was sie wollen. Und auch mir geht es besser, wenn ich gelassener bin und manches nicht zu eng sehe. So lassen sich sogar Schranken im Kopf abbauen.

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