SWR4 Abendgedanken

18NOV2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Manchmal muss man sich so richtig ins Zeug legen und sich dabei auch noch voll einsauen. Das hab ich beim Pizzabacken gelernt. Wenn wir backen, übernimmt meistens unsere Küchenmaschine die klebrige Arbeit. Alle Zutaten rein, anschalten und warten, bis der Teig fertig ist. Aber neulich habe ich einen besonders fluffigen Pizzateig gemacht. Im Rezept stand ausdrücklich, dass man die Zutaten von Hand vermengen soll und dann den Teig eine halbe Ewigkeit kneten, falten und auf die Arbeitsfläche hauen. Richtig viel Arbeit und eine ordentliche Sauerei. Und wie ich da schnaufend und mit klebrigen Händen in der Küche stehe, denke ich an einen Vergleich, den Jesus gezogen hat. Da kommt auch ein Teig vor.

Bei dem Vergleich erklärt Jesus: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Scheffel Mehl mengte, bis er ganz durchsäuert war.“

Da fühl ich mich in meiner Pizza-Backstube direkt angesprochen. Denn das mit dem Himmelreich fängt ganz unscheinbar an. So wie bei meinem Teig. Wenn ich nach der Ruhezeit das Küchentuch lupfe, bin ich immer gespannt und freu mich, wenn er so richtig an Volumen zugelegt hat. Und Jesus erzählt da nicht nur von ein bisschen Teig, sondern von einer riesigen Menge. Drei Scheffel Mehl, das sind mehr als 22 Kilo! Für diese riesige Menge reicht ein kleines bisschen Sauerteig aus. Aber neben dem Sauerteig braucht es auch die Frau, die die da in der Backstube richtig ackert. Bei 22 Kilo Mehl muss sie viel kneten.

Es braucht also beides: Gottes Wirken – unscheinbar wie die Bakterien und Hefen im Sauerteig – und jemanden, der sich so richtig ins Zeug legt. Gott zaubert das Himmelreich nicht einfach her, also seine neue Welt, wo es allen gut geht. Sondern Himmelreich entsteht, wenn ich loslege und mich voll reingebe. Dass ich helfe, wenn jemand Unterstützung braucht. Jemanden besuche oder anrufe, der einsam oder krank ist. Wenn ich da nicht schweige, wo andere ungerecht behandelt werden. Das ist anstrengend und kostet Mühe, aber so wird das Himmelreich Stück für Stück Realität.

Ich hab an dem Abend unsere Küche wieder sauber gekriegt. Die Pizza war lecker und das Abendessen hat uns nicht nur satt gemacht, sondern es war auch sonst schön, dass wir beieinandersaßen und Zeit hatten. Bei der Frau in der Bibel stelle ich mir vor, dass sie aus ihren 22 Kilo Mehl jede Menge Brot gebacken hat. Und dass sie das dann verteilt hat, so dass richtig viele davon satt wurden – wie im Himmelreich.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41045
weiterlesen...