SWR Kultur Lied zum Sonntag

17NOV2024
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Musik 1: Ouvertüre – Jörg Josef Schwab, Klavier

 

Noch gut zwei Stunden, dann ist es soweit. Dann wird im Freiburger Münster ein Mann seliggesprochen, dessen Wirken mich tief beeindruckt. Er heißt Max Josef Metzger und stammt aus dem südbadischen Schopfheim, wo er 1887 geboren wurde. Er hat genau das Gegenteil von dem getan, was der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal empfohlen haben soll: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ Max Josef Metzger ist nicht zum Arzt gegangen, sondern zunächst zum Studieren. Und dann ist er katholischer Priester geworden. Er hat seinen Visionen vertraut, die nicht gerade bescheiden waren, das stimmt. Der neue Selige wollte, dass die Kriege aufhören, und dass die Christen nicht mehr in Konfessionen getrennt sind. Er hatte auch viele kreative Ideen, wie man das Singen der gesamten Gemeinde in den Gottesdiensten verbessern könnte. Deshalb hat er Lieder gedichtet und komponiert. Zur heutigen Seligsprechung habe ich versucht, die Botschaft dieses neuen Seligen textlich in ein Lied zu fassen. Die Melodie stammt von Max Josef Metzger selbst.

 

Musik 2: „Seliger Max Josef Metzger” (Strophe 1)

 

Seliger Max Josef Metzger, froh in der Erlösten Schar

bringst du, selig mit den Selgen, deinem Heiland Hymnen dar.

Hör, wie Herz und Mund dich preisen hier im Klang der Erdenzeit:

Deinem Vorbild hilf uns folgen, wachen Herzens und bereit.

 

An Max Josef Metzger imponiert mir, dass er zielstrebig war und keine falschen Kompromisse eingegangen ist. Er hat gespürt, ab wann es kein „Sowohl – als auch“ mehr geben kann, sondern nur noch ein „Entweder – oder“. Dabei hat ihm sein Glaube geholfen. Selbst als die Gestapo ihn ins Gefängnis wirft, komponiert er noch Lieder. Die Melodie, die wir heute von ihm hören, schreibt er kurz bevor er ermordet wird, mit gefesselten Händen. Max Josef Metzger hat sich einen „Künstlernamen“ zugelegt und sich „Bruder Paulus“ genannt. Damit will er an den biblischen Apostel Paulus erinnern,  und deshalb kommt auch im Lied zum Sonntag der spirituelle „Dreiklang“ von Paulus vor: Glaube, Liebe und Hoffnung.

 

Musik 3: Strophe 2

 

Seit dich Jesu Ruf getroffen, stehst du fest zu deinem Ja.

Glaubensfreudig, liebend, hoffend gibst du Antwort: „Ich bin da,

Tag für Tag, damit der Friede, den der Herr verheißen hat,

nicht von Hass und Krieg erstickt wird.“ Dank für deine Lebenstat!

 

Max Josef Metzger war ein musischer Mensch. Vor allem ein Bild geht mir nicht mehr aus dem Kopf: wie er als Todeskandidat in der Gefängniszelle immer noch Lieder komponiert und von der österlichen Hoffnung singt. Besonders aktuell bleibt die Vision des Friedens, für die er gelebt hat. Dafür hat er wirklich alles gegeben.

 

Musik 4: Strophe 4

 

Glaubenszeuge, zwar in Fesseln, doch im Herzen schon befreit,

schreibst du Lieder in der Zelle, bist zum Opfer selbst bereit:

„Wir sind eins mit allen Christen, macht ein Ende eurem Streit!“

rufst du deiner Zeit entgegen, mahnst du aus der Ewigkeit.

 

Textdichter und Komponist:

T: Meinrad Walter (2024)

M: Max Josef Metzger (1944)

 

Musikquellen:

SWR-Produktion im Studio Freiburg am 13.11.24 mit Jörg Josef Schwab (Klavier)

und Eduard Wagner (Gesang); Technik: Roland Schneider

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41034
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