Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Vom Küchenfenster aus konnte ich auf die andere Flussseite schauen. Die Berge stiegen dort mit ihrem dichten Buchenwald steil auf. Unterbrochen wurden die Berghänge von kleinen Tälern. Schmale Täler. Baumvoll.
Besonders im Herbst lag morgens über dem Fluss ein dichter Nebel, der sich nur langsam auflöste. Und in den kleinen Tälern links und rechts des Flusses hielten sich die Nebelwolken besonders lange. Es sah aus, als würde es aus den Tälern heraus rauchen.
„Da rauchen die Füchse“, hat meine Oma dann gesagt. Und wenn es viel Nebel war, dann sagte sie, dass die Dachse auch dabei sind und manchmal sogar die Rehe. Und ich habe mir dann vorgestellt, wie Fuchs, Dachs und Reh einträchtig nebeneinander sitzen und rauchen. Pfeife oder Zigarre. Miteinander geredet haben sie auch. Mit eigenen Augen gesehen, habe ich es leider nie.
In der Bibel gibt es im Brief an die Hebräer auch so eine Nebelwolke. Da steht: „Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert.“ (Hebr 12,1)
Mit der Wolke der Zeugen sind diejenigen gemeint, die uns von Gottes Wundern erzählen. Mit eigenen Augen gesehen habe ich die Wunder leider auch nicht. Trotzdem besitzen die Wunder Gottes für mich viel mehr Wirklichkeit als Fuchs, Dachs und Reh mit Pfeife im Mund. Es sind nämlich viele, sehr viele Zeuginnen und Zeugen, die uns Wunderbares erzählen. Sie reden von Auferstehung und Heilung. Es sind viele, die das erzählen. Und das macht die Wunder glaubhaft. Viel mehr als die Geschichte von den rauchenden Tieren.
Aber etwas hat die Zeugenwolke und die angebliche Rauchwolke der Waldtiere doch gemeinsam. Bei beiden wird mir ganz warm ums Herz, weil es einfach so schön ist.
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