SWR Kultur Wort zum Tag

18NOV2024
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Genau vor 80 Jahren war es:  da schmuggelte der Jesuitenpater Alfred Delp folgende Zeilen aus dem Nazi-Gefängnis: „Innerlich habe ich viel mit dem Herrgott zu tun und zu fragen und dranzugeben. Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten: die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.“  Welch ein Satz in dieser Situation, mit gefesselten Händen geschrieben. Kurz zuvor waren drei Gefährten aus dem Widerstand hingerichtet worden, Delp selbst kämpft weiter ums Überleben. Er ringt mit Gott, man ahnt die Gebetskämpfe und Fragen - und doch diese unglaubliche Zuversicht, dieses Weltvertrauen im Namen Gottes, des treuen Schöpfers. „Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen“, selbst in dieser dramatischen Lage.

Dann heißt es weiter in diesem bewegenden Dokument: „Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und in den bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen. Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend…In allem will Gott Begegnung feiern.“  Ich kenne kaum ein anderes Zeugnis, das die Kraft des Osterglaubens derart auf den Punkt bringt. Wie schön dieses Bild vom Brunnenpunkt, wonach letztlich alles aus Gottes Güte hervorsprudelt. Selbst aus dem Bösen kann und will er Gutes schaffen.

Ich dagegen, wie gern picke ich mir aus dem Alltagskuchen die Rosinen heraus und halbiere damit die Wirklichkeit: das Schöne und Gelingende nehme ich gerne an, vermutlich viel zu selbstverständlich noch, aber das Schwere und Unbegreifliche halte ich mir möglichst vom Leib.  Dieser Alfred Delp dagegen geht aufs Ganze und stellt sich. Alles nimmt er ins Gebet.  Auch im schier Ausweglosen sucht und entdeckt er die Handschrift Gottes. Bis zuletzt übrigens hat Alfred Delp ums Überleben gekämpft und darauf gehofft, dass ihm Todesurteil und Hinrichtung erspart bleiben, leider erfolglos.  Gottvertrauen heißt gerade nicht, dass man die Hände in den Schoß legt. Ganz im Gegenteil.  Nichts von Schwarzseherei und Gejammer über die böse Welt; stattdessen dieses unbändige Gott- und Weltvertrauen trotz allem. Wer im Sinne Delps zu glauben vermag, rechnet immer mit dem Guten, in Widerstand und Ergebung, voller Vertrauen auf Gottes Gegenwart. 

„Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam entgegen“. Wirklich entgegenkommend! Entscheidend ist, es zu probieren.

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