SWR1 3vor8

29SEP2024
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Als wir Kinder waren, hatte meine Freundin Diana über ihrem Bett ein Bild hängen. Darauf zwei Kinder, die Hand in Hand auf einen Abgrund zulaufen. Doch genau dort – an der Abbruchkante – steht ein Engel und hindert die beiden daran, in die Schlucht zu stürzen. Ein Schutzengel, mit liebevoll strengem Gesicht und goldenen Flügeln. Ich fand das Bild immer ein bisschen gruselig. Aber ich war auch neidisch. Meine Freundin war katholisch und lange habe ich gedacht, dass nur katholische Kinder Schutzengel haben.

Heute am Tag des Erzengel Michael und aller Engel wird nun aber auch in manchen Evangelischen Kirchen über einen Engel gepredigt. Und über die biblische Geschichte, wie Gott diesen Engel zum Propheten Bileam schickt. Bileam steuert nämlich auch auf einen Abgrund zu. Jedenfalls begibt er sich in große Gefahr. Sein Herr, König Balak von Moab, ruft nach ihm. Durch einen Fluch soll helfen, das Volk Israel zu vertreiben, das direkt vor der Hauptstadt Moabs sein Lager aufgeschlagen hat. Gott warnt Bileam, den Auftrag anzunehmen. Deshalb weigert sich Bileam zunächst. Aber irgendwann sattelt er doch seine Eselin und macht sich auf den Weg, denn Balak verspricht ihm reichen Lohn. Auf dem Weg kommt es zu einem Zwischenfall: Balaks Eselin weigert sich auf dem Weg zu bleiben. Bileam wird ärgerlich und schlägt die Eselin sogar. Da dreht die sich um und spricht zu Bileam. Als erstes erinnert sie Bileam daran, dass sie ihm immer eine treue Begleiterin gewesen ist. Sie hat nicht verdient geschlagen zu werden. Und dann weist sie ihn auf den Engel hin, der sich den beiden in den Weg gestellt hat. Und erst da sieht auch Bileam den Boten Gottes. Aber es ist kein Schutzengel mit liebevoll strengem Blick. Sondern einer mit dem Schwert in der Hand – bereit Bileam aufzuhalten und sogar zu vernichten. Gott hatte ihn ja gewarnt, dass er es nicht zulassen würde, dass sein Volk verflucht wird. Trotzdem lässt Gott Bileam nicht einfach in sein Verderben rennen. Gott setzt alles daran, Bileam vor einem großen Fehler zu bewahren. Er schickt ihm zwar keinen Schutzengel, dafür aber eine Eselin. Und die öffnet ihm die Augen. So versteht Bileam schließlich, was Gott von ihm erwartet. Bileam reitet zwar zum König, aber er verflucht das Volk Israel nicht. Im Gegenteil: er segnet das Volk. Er hält sich an Gottes Auftrag.

Vielleicht schickt Gott nicht immer einen Engel, der mich beschützt so wie auf dem Bild im Kinderzimmer meiner Freundin. Seine Boten und Botinnen kommen in ganz unterschiedlichen Gestalten. Manchmal sogar in tierischer. Aber immer so, dass sie es gut mit mir meinen. Und das ist ganz unabhängig davon zu welcher Konfession ich gehöre. Also Augen auf und Ohren auch – vielleicht kreuzt heute ja einer Ihren Weg oder begleitet sie schon lange treu und ergeben – wie die Eselin den Bileam.

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