Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP
Schwester Karla ist ein Phänomen. Sie ist der Engel des Altenheims. Sie erweckt demente Menschen zu neuem Leben. Sie blühen wieder auf, so wie die Ordensschwester für sie da ist. Jahrzehntelang hat Schwester Karla Menschen auf ihrem Lebensweg und Glaubensweg begleitet. Und jetzt, wo sie selbst älter ist – inzwischen 80 Jahre –, jetzt engagiert sie sich mit all dieser Erfahrung seit zehn Jahren als ehrenamtliche Hospizhelferin. Alle im Heim freuen sich, wenn sie kommt.
Eine demente alte Frau sitzt nach einem Schlaganfall schon lange im Rollstuhl. Seit Jahren war sie nicht mehr im Freien gewesen. Sie kam neu ins „Haus der Barmherzigkeit“, wo Schwester Karla wirkt. Und die hat sie gleich durch den schönen Garten des Altenheims gefahren. Das Gesicht der Frau begann zu leuchten, und, als ein Vogel sang, sagte sie: „Das ist sehr schön!“ So kann einem dementen Menschen das Herz aufgehen! Schwester Karla macht einfach das, was die alte Frau möchte, was ihr guttut. Ob das ein Cafeteria-Besuch ist oder zum Kegeln gehen oder etwas Anderes.
Noch viel mehr hat Schwester Karla bei der 92-jährigen Frau Mai bewirkt. Sie wollte in ihrer Demenz nicht mehr leben. Schwester Karla besucht sie seit einem Jahr jeden Tag zwei Stunden lang. Sie ist einfach bei ihr und spürt, was sie braucht. Also hat Schwester Karla auch CDs besorgt mit Liedern, die Frau Mai mag. Und plötzlich hat die demente Frau beim Hören die Lippen bewegt und laut mitgesungen – und ist dabei aufgelebt. Sie will auch nicht mehr sterben – sie hat von 35 kg auf 45 zugenommen! Und Schwester Karla kann andere Heimbewohnerinnen zu ihr bringen, weil Frau Mai sie auf ihre Weise sehr gut trösten kann. Unglaublich!
Was ist das Geheimnis von Schwester Karla? Sie ist einfach da bei den alten und dementen Menschen. Sie hört ihnen zu. Sie hat die Gabe, dass sie ihre Zeichen und Wünsche versteht. Schwester Karla möchte, dass die Dementen selbst bestimmen, was sie wollen. Dafür hat Schwester Karla ein ausgeprägtes Gespür, so geht sie auf diese Menschen ein – und dadurch bewirkt sie tatsächlich Wunder.
Als die Ordensschwester mir das alles so erzählt hat, habe ich gedacht: Das gilt ja auch sonst. Je mehr es gelingt, dass ich mich in andere hineinversetze und sie verstehe, desto schöner wird die Begegnung und desto erfüllter wird das Leben.
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