Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

15AUG2024
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„Alles hat seine Zeit.“ Ich staune über die Vielfalt in unsrem Leben. Arbeiten und feiern, streiten und sich wieder einkriegen, Ruhe suchen und unter Leute gehen.

„Alles hat seine Zeit.“ Steht schon in der Bibel. Der Prediger (so wird er dort genannt) sinniert über das Leben und schreibt: „Weinen hat seine Zeit, Lachen hat seine Zeit.

Klagen hat seine Zeit, Tanzen hat seine Zeit.“ Bei manchem, was ich erlebe, würde ich vor Glück am liebsten die Zeit anhalten. Bei anderem bin ich ausgesprochen dankbar dafür, dass es nicht ewig dauert. Ich will nicht ewig angestrengt sein oder ewig Schmerzen haben. Und auch nicht anderen ewig auf den Geist gehen. Gut, dass auch anderes wieder seine Zeit hat.

Der Prediger scheint das ähnlich zu sehen. Und er sagt ganz nüchtern: „Geboren werden hat seine Zeit und sterben hat seine Zeit.“ Beides gehört zum Leben dazu. Das war für ihn übrigens kein Grund, verdrießlich zu werden oder zu resignieren. Sein Fazit war: Lebe heute. Schau, was die Zeit Dir gerade bringt und versuch, daraus etwas zu machen. Verlier dich nicht in dem, was gestern war oder morgen sein könnte. Wenn du heute tanzen kannst, dann tanze und jammer nicht rum. „Klagen hat seine Zeit, Tanzen hat seine Zeit.“

Und wenn du heute todtraurig bist, dann musst du das nicht den ganzen Tag überspielen und so tun, als sei alles in bester Ordnung. Die Trauer wird nicht auf Knopfdruck weg sein. Das muss sie auch nicht. „Weinen hat seine Zeit, Lachen hat seine Zeit.“ Beides braucht Raum und Zeit in unsrem Leben.

Ein weiser Mensch, der Prediger.

Nachdem er viel über unsre Zeit nachgedacht hat, hält er nebendran noch einen anderen Gedanken: „Gott hat den Menschen die Ewigkeit in ihr Herz gelegt!“ Was er damit wohl gemeint hat? Ich finde es jedenfalls schön, dass er nicht nur sagt: Es geht alles vorbei. Er sagt auch: Da ist ein ewiger Gott, dem etwas an dir liegt. Das hört nicht auf, dass ihm etwas an dir liegt. Du und deine Zeit, ihr seid bei ihm gut aufgehoben.

Der Prediger hat übrigens auch gesagt: „Schweigen hat seine Zeit und reden hat seine Zeit“. Und darum schweig ich jetzt.

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