SWR Kultur Wort zum Tag

19JUN2024
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„Gewalt ist keine Lösung.“ Das war vor mehr als zwei Jahren richtig, als Russlands Krieg gegen die Ukraine gerade erst drei Monate andauerte – Gewalt ist und bleibt keine Lösung – alle Argumente und Gedanken, alle Sprüche und Einsprüche der Friedensbewegung sind und bleiben ja richtig: Gewalt erzeugt Gewalt und GegenGewalt. Liebt eure Feinde – zumindest den Menschen im jeweiligen Feind; und tut denen Gutes, die euch hassen und Gewalt antun! Und überhaupt: wohin führen denn immer neue Raketen, Flugzeuge, Panzer, Kanonen, Bomben …

Alles richtig – jedenfalls bis zur „Zeitenwende“. Europa war fast ohne Krieg erblüht und ist zusammengewachsen. Konflikte lösen sich durch Gespräche und Verhandlungen; mit Wandel durch Handel, mit Austausch von Menschen und Meinungen. So entsteht Friede – offensichtlich sehr lange haltbar, also nachhaltig…

Aber inzwischen ist leider auch klar: Keine Gewalt ist auch keine Lösung! Niemand kann etwa der Ukraine ernsthaft vorschlagen oder gar verlangen, dass sie die Waffen streckt und mit „Hände hoch“ sich ergibt – als sollte jetzt doch das Recht des Stärkeren gelten; als wäre Ohnmacht eine Lösung, die Unterwerfung unter einen abenteuerlichen Anspruch eines einzelnen Machthabers und seiner Clique.

Ja – richtig: Gewalt ist keine Lösung. Allerdings: ohne Gewalt beendet anscheinend eben auch niemand die Gewalt. Und solange auf der einen Seite, in Moskau also, jemand fehlt, der einsehen würde, dass auch seine Gewalt keine Lösung ist; dass er sich auf ernsthafte Verhandlungen einlassen sollte, statt nur so zu tun als ob vielleicht. … so lange gilt leider erst mal: Keine Gewalt ist auch keine Lösung. Aufgeben und Unterwerfung wäre großes Unrecht.

Was bleibt in diesem Dilemma? Ich kann beten – und Gott die Not vor die Füße werfen; etwa im Friedensgebet im Trierer Dom, immer am vierundzwanzigsten, am Monats-Erinnerungstag an Putins Überfall.

Auch Gebet ist vielleicht keine Lösung – aber wir erleben, dass es hilft: zumindest den geflüchteten Menschen aus der Ukraine, die dankbar sind, dass wir demonstrativ beharrlich bleiben im Gebet. (Den Auftrag haben die Christenmenschen schon von Jesus selbst.)

Gewalt ist keine Lösung – aber keine Gewalt wohl auch keine. Da hast du’s, guter Gott des Friedens und der Gerechtigkeit – da hast du’s. Hilf, dass ich wenigstens von hier aus helfe und tue, was ich kann! So wenig das sein mag.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=40109
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