Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20NOV2023
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Der berühmte englische Komiker Charlie Chaplin hat mitten im Zweiten Weltkrieg seine komischen Filmrollen hinter sich gelassen und einen Film gedreht, in dem er den Kriegstreibern von damals den Spiegel vorgehalten hat: „Der große Diktator“.

Am Ende des Films hält Chaplin eine Rede, die übers Radio in die ganze Welt gesendet wird. Seine Worte jagen mir einen Schauer über den Rücken. Denn Chaplins Rede aus dem Jahr 1940 klingt, als wäre sie für uns heute geschrieben. Für jetzt – für all die Sorgen und Nöte, die uns gerade heimsuchen. Aber hören Sie selbst. Ich zitiere Chaplin aus seinem Film:

„Es tut mir leid, aber ich möchte nun mal kein Herrscher der Welt sein, denn das liegt mir nicht. Ich möchte weder herrschen noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann. Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des andern teilhaben und nicht einander verabscheuen. Hass und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Platz genug für jeden, und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen.

(…)

Im siebzehnten Kapitel des Evangelisten Lukas steht: Gott wohnt in jedem Menschen. Also nicht nur in einem oder in einer Gruppe von Menschen. Vergesst nie, Gott liegt in euch allen. Und ihr als Volk habt allein die Macht. Die Macht, Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht, Glück zu spenden. Ihr als Volk habt es in der Hand, dieses Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu durchdringen. Daher im Namen der Demokratie: Lasst und diese Macht nutzen! Lasst uns zusammenstehen! Lasst uns kämpfen für eine neue Welt, für eine anständige Welt! Die jedermann gleiche Chancen gibt, die der Jugend eine Zukunft und den Alten Sicherheit gewährt.“

Chaplins über 70 Jahre alte Rede ist beängstigend aktuell. Sein Appell ist aktuell, für Frieden und Freiheit zu kämpfen. Etwas zu tun gegen Hass und Gewalt auch in unserem Land. Wegsehen und Wegducken kommt nicht in Frage. Chaplin beendet seine Rede mit diesem Appell:

„Nieder mit der Unterdrückung, dem Hass und der Intoleranz! Lasst uns kämpfen für eine Welt der Sauberkeit. In der die Vernunft siegt, in der uns Fortschritt und Wissenschaft uns allen zum Segen gereicht. Kameraden, im Namen der Demokratie: Dafür lasst uns streiten!“

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