SWR4 Abendgedanken

16MAI2023
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„Und? Wie geht’s Dir?“ Eine typische Frage, wenn zwei sich begegnen – meist gefolgt von der typischen Antwort: „Ganz gut, danke.“ Smalltalk eben. Aber neulich hat mich eine Freundin genau das gefragt. Ich habe ihr erzählt, was mich gerade alles so beschäftigt. Und dann habe ich sie natürlich auch gefragt, wie es ihr geht. Und ihr geht es im Moment gar nicht gut.

Davon hatte ich keine Ahnung und das hat mich ziemlich nachdenklich gemacht. Denn eigentlich sehen wir uns ziemlich oft. Nur sind wir eben über den Smalltalk nie rausgekommen, weil wir uns zu wenig Zeit genommen haben. Schade eigentlich.

Klar. Dass ich es jetzt weiß, dass es ihr nicht gut geht, macht ihre Situation nicht wirklich besser. Und trotzdem glaube ich, dass es guttut, das Schwere im Leben mit jemandem zu teilen – und die schönen Dinge genauso. Und ich denke, Jesus hat deshalb seinen Freunden genau das mitgegeben: Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! Genauso wie ich euch geliebt habe, sollt ihr einander liebhaben.

Das hat Jesus seinen Freunden auch vorgelebt. Er ist zu denen gegangen, zu denen sonst niemand gegangen ist. Er hat mit Leuten gegessen, mit denen sonst niemand was zu tun haben wollte. Und er hat keinen Unterschied gemacht, was für einen Stand jemand hatte, oder wo jemand herkommt oder was jemand glaubt. Das Leben miteinander teilen: das Schwere genauso wie das Schöne. Es ist eben nicht egal, wie wir Menschen miteinander umgehen. Und es tut uns nicht gut, wenn wir über Smalltalk nicht hinauskommen.

Ich habe immer mehr das Gefühl, dass wir Menschen nur noch nebeneinanderher leben. Jeder auf seine Weise. Viele denken vielleicht: Was andere machen, geht mich nichts an. Andere denken nur an sich selbst. Oder wollen niemandem zur Last fallen.

Jesus gibt uns eine andere Haltung mit, ein neues Gebot: Liebt einander. Nehmt Anteil am Leben eurer Mitmenschen. Das soll euer Erkennungszeichen sein. Und genau das möchte ich wieder ernster nehmen. Denn ich möchte gerne in einer Welt leben, in der wir Menschen füreinander da sind. In der wir miteinander leben und nicht nebeneinanderher. Deshalb habe ich mir vorgenommen: Weniger Smalltalk. Stattdessen das Gebot von Jesus ernst nehmen. Und wenn ich dann jemanden frage: „Wie geht’s?“ Dann möchte ich das wirklich wissen.

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