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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

09DEZ2022
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Was wir als Kinder erleben, prägt uns ein Leben lang. Schon die ersten Wochen und Monate passiert da ganz viel. Das weiß ich schon länger – und immer wieder hilft es mir, mich besser zu verstehen. Auch im Umgang mit unseren Kindern wird mir oft nochmal mehr bewusst, wenn ich mir überlege, was sie als Säugling so wahrgenommen haben. So manche Angst zum Beispiel wird dann ein Stück weit erklärbar – und dann kann ich besser damit umgehen oder auch etwas ändern.

Was ich erst jetzt so richtig erfahren und mir klargemacht habe: Bereits die Zeit vor der Geburt, also im Mutterleib, hat Bedeutung für die eigene Persönlichkeit. Denn alles, was meine Mutter in ihrer Schwangerschaft erlebt und gefühlt hat, habe ich ja hautnah mitbekommen. Unbewusst zwar, aber dadurch nicht weniger stark. Und es ist genauso Teil meiner Lebensgeschichte, wie alles andere, was ich im Lauf meines Lebens mit auf den Weg bekomme.

Ich finde das faszinierend. Was für ein Wunderwerk sind wir – dass unser Körper schon den allerersten Erfahrungen dauerhaft in sich Platz gibt! Wir sind eben von Anfang an schon mehr als ein Zellhaufen oder eine komplexe Maschine. In jeder Lebensgeschichte gibt es unfassbar viel zu entdecken.

Und genauso macht es mich unsicher. Schon die Erfahrungen während meiner Kindheit kann ich ja gar nicht ganz überblicken. Mit der Zeit im Mutterleib ist es erst recht so. Ja, ich kann mit meinen Eltern sprechen, mir von damals erzählen lassen. Aber ich habe keinen unmittelbaren Zugang, weiß nie vollkommen Bescheid. Das gilt auch für die schweren Erfahrungen. Und trotzdem trage ich die mit mir herum! Und unsere Kinder ganz genauso.

Was mir als Christ hilft: Ich glaube, dass ich schon vor meiner Geburt mit Gott in Verbindung war. „[D]u hast meine Nieren geschaffen, mich im Bauch meiner Mutter gebildet“ [Psalm 139,13; BasisBibel], heißt es in einem Gebet in der Bibel. Und: „Ich hatte noch keine Gestalt gewonnen, da sahen deine Augen schon mein Wesen.“ [Psalm 139,16a; BasisBibel]. Auch das gehört von Anfang an zu meiner Lebensgeschichte. Bei allem Schweren, das da vielleicht gewesen sein mag, – Gott hat mich begleitet, mir beigestanden. Das macht es mir leichter. Das hilft mir, meine bisherige Lebensgeschichte offen anzuschauen. Und ich vertraue darauf, dass ich auch bei allen weiteren Erlebnissen und Erfahrungen begleitet bin.

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