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SWR2 Wort zum Tag

07DEZ2022
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Es gibt Männer, die hören einfach nicht auf zu beten! Rund um die Uhr: 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, wie bei einem Gebetsmarathon.

Es sind Männer aus Konstanz oder Offenburg, vom Kaiserstuhl oder aus dem Odenwald. Aus ganz unterschiedlichen Orten kommen sie, um in einer kleinen idyllischen Kirche in der Nähe von St. Peter bei Freiburg zu beten. Der Ausblick dort ist herrlich und die Atmosphäre eine ganz besondere.

Schon seit 67 Jahren gibt es die sogenannte „Gebetswache“ auf dem Lindenberg. Das klingt womöglich seltsam, aber der Anlass war damals ganz konkret. Im Jahr 1955 hat der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Reise nach Moskau unternommen. Er hat über die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus Russland verhandelt. Ein paar Männer haben sich dann zusammengetan, um für das Gelingen dieses schwierigen Unterfangens ununterbrochen zu beten.

Man kann nun darüber streiten, ob Beten hilft oder nicht. 1955 ist es jedenfalls geglückt. Die letzten Kriegsgefangenen durften wieder in die Heimat zurück.

Nach dem Erfolg Adenauers dachten die Männer aber nicht: „Jetzt ist es genug mit dem Beten. Jetzt hören wir auf.“ Sie haben weitergemacht und seither kommen immer weiter Männer zum Beten auf den Lindenberg.

Warum es nur Männer sind? Hinter der Aktion steckt das katholische Männerwerk. Ein Verband nur aus Männern, der diese Aufgabe damals zu seiner eigenen gemacht hat und immer weiterführen will.

Den Männern ist wichtig, dass einfach immer jemand da ist, der betet. Sie beten um persönliche Anliegen, um Kraft bei Schicksalsschlägen und Krankheiten, zum Beispiel in der Familie oder bei Freunden. Besonders beten sie für den Frieden.

Auf dem Lindenberg steht so etwas wie eine „Dauerverbindung zu Gott“. Natürlich suchen Menschen überall Verbindung zu Gott, und ich bin überzeugt, Gott hält zu allen Orten überall Verbindung. Trotzdem ist es schon etwas Besonderes, wenn irgendwo ununterbrochen gebetet wird.

Ich glaube, das braucht es. Denn man könnte zynisch werden und sagen: „Auch wenn Menschen für den Frieden auf der Welt beten, das wird nie etwas!“ Man könnte aufgeben und die Hände in den Schoß legen. Dass diese Männer ständig beten, ist ein Zeichen der Hoffnung. Und es ist nicht das einzige!

Immer wenn Menschen, egal ob Kinder, Frauen oder Männer, nicht aufhören zu beten, ist das für mich ein Lichtblick. Sie machen mir Mut, dass auch ich dranbleibe, dass ich weiter vertraue, zuversichtlich bleibe und eben nicht aufgebe.

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