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SWR2 Wort zum Tag

09DEZ2022
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Advent heißt Ankunft. Und wohl für die meisten ist klar, was da ankommen soll: Jesus. Und für viele noch mehr: Frieden, Ruhe, Harmonie. Nicht zu vergessen: Liebe. Weihnachten heißt ja nicht umsonst ‚Fest der Liebe‘.

Fest der Liebe. Das hört sich naiv an. Klar, es gibt Liebe in der Welt und zwischen Menschen. Aber im Moment dominieren doch Kriege und Terror, steigende Gaspreise und Existenznot, Coronaangst und Inflation. Von Liebe ist da wenig zu sehen.

Fest der Liebe. Das kann ich aber auch sehr realistisch verstehen. Die Adventszeit sagt ja nicht, dass die Liebe sicher kommt. Sie sagt vielmehr: Die Welt braucht Liebe. Wenn die Liebe fehlt, dann ist alles finster und kalt, langweilig und farblos. Dem Leben und Handeln, dem Denken und Glauben fehlt etwas, wenn die Liebe fehlt.

Ernesto Cardenal, ein Dichter und Priester aus Nicaragua, meditiert das in seinem »Buch der Liebe«. Er sagt: Alle Lebewesen lieben sich. Es gibt keine Wahl bei der Liebe. Liebe gehört zum Menschen, sie ist das Ursprüngliche. Konflikte treten nicht auf, weil sich Menschen hassen. Sie treten auf, weil Menschen nicht verstehen wollen, dass sie einander lieben. Cardenal sagt: Grausamkeit ist eine ziellose Liebe. Hass ist unerfüllte Liebe. Liebe ist das Grundgesetz aller freien Wesen. Denn lieben heißt, sich selbst zu geben, sich zu teilen, sich mitteilen zu können. Liebe ist der Kern des Lebens. Und die ganze Welt ist eine Einladung zu lieben.

Wer könnte dieses Grundgesetz der Liebe deutlicher machen, als ein Kind? Ein Kind zeigt, was Cardenal meint: Menschen sind auf die Liebe angewiesen. Sie können gar nicht ohne Liebe leben. Für ein Kind ist es egal, was ich kann oder bin. Dem Kind ist es egal, ob ich einen guten Job habe und andere mich achten. Ein Kind ist nur an einem wirklich interessiert: geliebt zu werden. Wie jeder Mensch auch. Und dieser Gedanke könnte ankommen, im Advent. Das Bewusstsein, wie wichtig die Liebe für alle Menschen und die ganze Welt ist.

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