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SWR2 Wort zum Tag

08DEZ2022
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„Unbefleckte Empfängnis“. Das Fest, das die Katholische Kirche heute feiert, irritiert. Unbefleckt – was soll das schon heißen?

Ganz grundsätzlich: Es geht um etwas Alltägliches – ein Kind wird gezeugt, empfangen, wie es etwas altertümlich heißt? Die Rede ist von Maria, der Mutter Jesu. Deshalb spielen auch ihre Eltern Joachim und Anna eine wichtige Rolle. Denn das ist der Clou der Geschichte: Die beiden sind alt, haben bisher keine Kinder bekommen – und werden wohl kinderlos sterben. In vielen Kulturen gilt Kinderlosigkeit als Problem. Keine Nachkommen, das heißt: Keiner wird für mich im Alter sorgen, ich bleibe allein, niemand ist für mich da. Bis heute ist Kinderlosigkeit für viele Menschen und Paare ein großes Leid.

Anna und Joachim sind so alt, dass es ein Wunder wäre: diese Schwangerschaft. Doch es passiert. Anna wird mit Maria schwanger. Und ohne sie wüssten wir nichts von Jesus und dem christlichen Glauben.

Aber, und hier kommt der Begriff „Unbefleckt“ ins Spiel, wenn Maria ein ganz normaler Mensch ist, wie kann sie dann Jesus, den Sohn Gottes, zur Welt bringen? Darüber haben Theologen jahrhundertelang gestritten. Die Lösung: Maria selbst wird schon ‚unbefleckt‘, ohne alle Sünde, empfangen. Damit wird sie, wie es in der Bibel heißt, zur „reinen Magd“, die Jesus gebären kann.

Ich übersetze das für mich so: Maria ist ein Mensch, der von Anfang an offen für Wunderbares, Anderes, für Gott ist. Und wenn sie Jesus zur Welt bringt, dann muss auch sie etwas Besonderes sein. Aber noch was finde ich wichtig: Anna und Joachim, Maria und Josef, heute tritt sozusagen die ganze Verwandtschaft von Jesus auf den Plan. Er fällt nicht vom Himmel, sondern ist Teil einer Familie. Dazu gehören eben Eltern auch Großeltern. Die Unbefleckte Empfängnis ist damit das Fest der Generationen. Es macht deutlich, dass wir Menschen nur in Zusammenhängen leben können, dass wir Menschen brauchen, die uns auf die Welt bringen und umsorgen. Nur dann können Menschen im Sinne Gottes handeln und leben.

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