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SWR2 Wort zum Tag

24NOV2022
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Eine Geschichte über eine Frau, die mich sehr beeindruckt hat. Eva Eusterhus hat ihr Kind verloren. Im achten Monat der Schwangerschaft waren keine Herztöne mehr da.

Eva Eusterhus hat alles was ihr dann entgegengekommen ist, ganz bewusst durchlebt. Und obwohl sie verzweifelt und unendlich traurig gewesen ist, hat sie sich gesagt: ich werde irgendwann wieder glücklich sein. Sie hat Tagebuch geschrieben in dieser Zeit und Auszüge daraus veröffentlicht - und ich habe mit ihr darüber gesprochen. Aber der Reihe nach:

Nachdem Eva Eusterhus erfahren hat, dass Ihr Kind tot ist, bringt sie es auf die Welt und hält ihre kleine Tochter Mimi im Arm. Sie sagt, dass der Moment trotz allem schön war und nur Liebe da war. In diesem Augenblick hat sie sich vorgenommen diese Liebe irgendwie zu behalten. Sich dieses Gefühl immer wieder bewusst zu machen, um nicht vollständig an Mimis Tod zu verzweifeln. Eva Eusterhus ist voll reingegangen in die Trauer. Sie hat sich die Zeit genommen, die sie gebraucht hat und Mimi deshalb erst sehr spät beerdigt. Und zwar genau so, wie es für sie und ihre Familie gepasst hat. Ein kleines Grab mit einem Apfelbaum drauf.
Die Vorstellung ein Kind zu verlieren, schnürt mir die Kehle zu. Ich weiß nicht, wie man das verkraften soll. Aber nachdem ich Eva Eusterhus kennengelernt habe, weiß ich, dass es gehen kann.
Das kann man natürlich nicht auf alle übertragen, die sich von einem Kind verabschieden mussten. Da schwebt die Trauer wie eine dunkle schwere Wolke immer über dem Leben, Partnerschaften zerbrechen, das soziale Umfeld bricht weg, weil es die Trauer nicht versteht oder aushält.
Für mich ist Eva Eusterhus ein Beispiel dafür, dass das Leben auch mit schrecklichen Tiefen erlebt werden kann. Sie hat sich bewusst dafür entschieden, dass Mimis Tod ihr nicht das Lebensglück nehmen wird. Es wird wieder Zeiten geben, in denen sie alle glücklich sein können. Das stand von Anfang an fest. Was für ein Vertrauen ins Leben!
Eva Eusterhus ist gläubig, und sie erzählt, dass ihr Verhältnis zu Gott auf Augenhöhe ist. Für sie hat Gott keine Schuld. Sie stellt sich vor, dass er sie begleitet und miterlebt, was sie aus der Situation macht. Trotzdem konnte sie erstmal zwei Wochen nicht beten nach Mimis Tod. Es gab einfach nichts zu sagen.
Eva Eusterhus ist wieder schwanger geworden, und jetzt gehört Sohn Levi zur Familie. Die ganze Familie weiß aus schmerzlicher Erfahrung, dass das nicht selbstverständlich ist. Was für ein Wunder!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=36592