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SWR2 Wort zum Tag

21NOV2022
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Ich finde es schön, ein gutes Verhältnis zu meinen Nachbarn zu haben. Dass wir uns grüßen und aneinander Interesse zeigen. Dass jeder gerne behilflich ist  – etwa einzukaufen, wenn ein Nachbar krank ist, oder die Blumen zu gießen, wenn die Nachbarin nicht da ist. Für mich trägt das viel dazu bei, dass ich mich an einem Ort zu Hause fühle. Daher bin ich gerne bereit, mit meinem Verhalten dazu beizutragen, dass gute Nachbarschaft gelingt. Auch wenn es sich nicht immer erzwingen lässt. „Es kann der Beste nicht im Frieden leben, wenn es dem Bösen Nachbarn nicht gefällt“ – so heißt es in einem Sprichwort. Ich habe jedenfalls meistens erlebt, dass freundliches Verhalten erwidert wird.

Das Wort „Nachbar“ bedeutet eigentlich nahe geboren. So war das früher meistens  – man hat sein ganzes Leben Seite an Seite verbracht und miteinander geteilt. Die freudigen Ereignisse und die Nöte. Davon zeugt auch das Gleichnis von der verlorenen Drachme, das im Lukasevangelium steht. Jesus erzählt seinen Zuhörern folgende kleine Geschichte: Eine Frau verliert eine ihrer 10 Drachmen - vielleicht ist es ihr Hochzeitsschmuck – und sie sucht unermüdlich in ihrem ganzen Haus danach. Schließlich findet sie die Drachme in einem verborgenen Winkel wieder. Da ruft sie Nachbarinnen und Freundinnen zusammen, um mit ihnen ihre Freude zu teilen.

Die kleine nachbarschaftliche Welt wird für Jesus zu einem Gleichnis für das Reich Gottes. Gottes Gegenwart ist zu spüren, wenn wir uns gegenseitig am Leben teilhaben lassen. Wenn wir bereit sind, unsere Haus- und unsere Herzenstüre für die Menschen um uns herum zu öffnen: für die Nachbarn, Freunde und Kollegen.

Gute Nachbarschaft zu pflegen ist für mich daher eine genuin christliche Aufgabe. Und auch ein guter Ort für gegenseitigen Respekt und Toleranz, weil ja verschiedene Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen aufeinander treffen. Dabei geht es immer darum, im anderen das zu suchen, was ihn wertvoll macht - auch dann, wenn es vielleicht verlorenen gegangen ist wie die Drachme. Denn auch Gott sucht nach uns, weil er will, dass niemand verloren geht und dass alle zusammenfinden.

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