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SWR4 Abendgedanken

21NOV2022
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Gott ist mit mir umgezogen. Und er hat nun sein eigenes Zimmer.

Das klingt zwar ziemlich komisch, ist aber so.

Ich bin vor ein paar Monaten umgezogen. Nicht zum ersten Mal. Ich musste schon einige Male in meinem Leben umziehen. Auch wenn ich das überhaupt nicht mag. Ich finde es einfach anstrengend. Dieses Einpacken und Aussortieren. Dieses ständige überlegen, was mitkommt und was weggeworfen wird.

Und dann auch immer die grundsätzliche Frage, wo all das Mitgenommene seinen Platz in der neuen Wohnung findet.

Wenn ich jetzt sage, dass Gott mit mir umgezogen ist, dann heißt das, dass er in meiner alten Wohnung auch schon da war. Aber es heißt natürlich nicht, dass ich ihn in einen Umzugskarton weggepackt und in der neuen Wohnung wieder ausgepackt habe.

Gott ist für mich immer irgendwie da. So wie auch sonst Vieles oft und immer irgendwie da ist.

Ich stelle mir das so vor, wie mit dem ein oder anderen guten Freund. Auch wenn der jetzt gerade nicht vor mir steht oder vielleicht sogar sehr weit weg ist, ist er trotzdem mit mir verbunden. Selbst wenn ich das manchmal vergesse. Um mich daran zu erinnern, hängen deshalb Fotos von vielen Freunden in meiner Wohnung. Sie zeigen, dass diese Menschen zu meinem Leben gehören und auf diese Weise bei mir sind. Aber die Fotos helfen mir auch, mich daran zu erinnern, dass ich mich beim ein oder anderen mal wieder melden könnte.

So ist es für mich auch mit Gott.

Ich hatte in meiner alten Wohnung eine kleine Gebetsecke. Das war der Ort, wo ich oft morgens und abends gebetet habe. Der Ort, wo ich immer wieder versucht habe, mich an Gott zu erinnern und mit ihm zu sprechen.

Doch nun, in meiner neuen Wohnung, hat er nicht nur eine Ecke, sondern ein eigenes Zimmer bekommen. Nicht sehr groß. Er braucht ja kein eigenes Bett und auch keinen Kleiderschrank.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass ein eigenes Gebetszimmer ein ziemlicher Luxus ist.

Aber ich hab mir gedacht: Warum nicht?

Ich habe diesen kleinen Raum in meiner neuen Wohnung und ich gebe anderen Dingen ja auch einen Raum. Wo ich lese, koche und esse, schlafe, …

… warum nicht auch fürs Beten? In meinem Esszimmer kann ich mit Freunden zusammensitzen, essen und manchmal bis in die Nacht hinein reden. Es ist ein Ort der Begegnung.

Und nun habe ich einen Raum, um Gott zu begegnen, mit ihm zusammenzusitzen und mit ihm zu reden.

So ist Gott mit mir umgezogen und bis jetzt, bis jetzt halten wir es ganz gut miteinander aus.

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