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SWR3 Gedanken

20NOV2022
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Eine Nonne hält eine rote Karte in die Kamera und drauf steht: Katar.

Ich schaue mir eine Videobotschaft von „missio“ an, eine Hilfsorganisation, die zum Thema Fußball-WM eine Menge macht. In dem Videoclip schaut mir Mary direkt in die Augen. Sie ist eine philippinische Ordensschwester und ich krieg das im Kopf erstmal gar nicht zusammen: Was hat eine Philippina mit dem Thema Menschenrechte in Katar zu tun? Aber dann wird es klar.

In dem superreichen Wüstenstaat arbeiten tausende philippinische Migrantinnen als Haushaltshilfen. Schwester Mary erklärt: „Diese Frauen bekommen angeblich Mindestlohn, aber der gilt für acht Stunden und nicht für zwanzig. Und das schlimmste ist: sie werden oft vergewaltigt. Wenn das passiert und die Frau ihren Fall vor Gericht bringen möchte, muss sie damit rechnen selbst bestraft zu werden. Denn es gibt ein Gesetz in Katar, das Sex vor der Ehe verbietet.“

Ich sehe mir Marys Videobotschaft bis zum Ende an, aber mir wird fast schlecht dabei. Sie erklärt, dass einer Frau, die Anzeige erstattet hat, keine andere Chance bleibt, als ihren Täter zu heiraten, wenn sie straffrei bleiben will. Ansonsten drohen ihr Peitschenhiebe und Gefängnis. Schwester Mary und „missio“ sammeln Unterschriften. Ihre Petition heißt „Frauen schützen in Katar“, und sie läuft die ganze Zeit während der WM und noch drüber hinaus. Anna-Lena Baerbock soll die Unterschriften nächstes Jahr überreicht bekommen und sie dann dem Emir von Katar übergeben.

Es läuft extrem vieles schlecht in Katar, da kann ich doch wenigstens unterschreiben.

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