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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

28SEP2022
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Wie spricht man mit kleineren Kindern über den Tod? Das bin ich neulich wieder gefragt worden. Ein schrecklicher Unfall war passiert – und natürlich hat das viele Kinder und Eltern sehr beschäftigt.

Ich habe da keine fertigen Antworten. Und natürlich kommt es immer auf das einzelne Kind an. Aber ein paar Dinge lassen sich schon sagen, finde ich. Es gibt auch gründliche Untersuchungen darüber, wie Kinder fragen und was ihnen hilft.

Wichtig finde ich es zunächst, den Tod ganz klar zu benennen. Und nicht indirekt zu sagen, jemand ist „ganz weggegangen“ oder „für immer eingeschlafen“. Solche Umschreibungen können Kindern sogar Angst machen. Wenn die Eltern weggehen – kommen sie dann nachher auch nicht mehr wieder? Oder ist das abendliche Einschlafen gefährlich? Jemand ist gestorben, tot, lebt nicht mehr – Kinder brauchen diese eindeutige Aussage. Wenn sie mit der gestorbenen Person in Kontakt waren, lässt sich auch ganz konkret sagen: Ihr könnt nicht mehr zusammen spielen. Oder gemeinsam einkaufen gehen.

Dass das traurig oder verzweifelt oder wütend macht, wenn ein Mensch stirbt – auch das dürfen Kinder wissen. Und dass auch Tränen dann erlaubt sind, bei Kindern wie bei Erwachsenen. Damit die Gefühle, die eben da sind, auch Platz bekommen.

Erklären muss ich den Tod dabei nicht. Wie auch? Er ergibt ja schon für mich selbst nicht so richtig Sinn. Aber wenn mir etwas Hoffnung gibt im Umgang mit dem Tod, dann kann und soll ich das ruhig erzählen. Dass der Tod mir zeigt, wie wertvoll das Leben ist, zum Beispiel. Oder dass ich als Christ glaube: Jesus ist mit in den Tod gegangen, hält Menschen auch dort noch in seiner Hand.

Wer mit Kindern offen über den Tod redet, begleitet sie damit bereits. Und natürlich geht das auch auf andere Weise – indem man gemeinsam malt, spielt, etwas vorliest, … Dabei ist es hilfreich, die Kinder selbst entscheiden zu lassen, was sie gerade brauchen. Das kann ganz überraschend sein und sich auch rasch mal ändern. Nicht wir Erwachsenen bestimmen da den Zeitplan.

Wie spricht man mit Kindern über den Tod? Am Wichtigsten ist es wahrscheinlich, sich das tatsächlich zu trauen. Die Angst zu überwinden. Und dann vielleicht zu merken, dass Kleine und Große sich gegenseitig tragen und Halt geben.

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