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SWR2 Wort zum Tag

28SEP2022
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Es gibt viele Gründe, sich zu fürchten. Der Krieg in der Ukraine. Das immer noch grassierende Virus. Explodierende Preise. Dürre. Ein kalter Winter.

Die Furcht selbst ist zudem ein Problem. Furcht macht Stress. Macht krank. Wer sich fürchtet, der trifft schlechte Entscheidungen. Furcht verhindert, dass ich das Leben gut bewältigen kann.

Deswegen hilft nur eins: Ich muss mich meiner Furcht stellen. Muss genau sehen, was das ist, das mich fürchten lässt. Und muss Wege aus der Angst suchen. Wie das geht? Mir hilft der Blick in die biblischen Geschichten. Da heißt es nämlich oft: Fürchte dich nicht. Und das ist mehr als ein Satz. Denn die biblischen Texte machen auch deutlich, wie das geht, sich nicht zu fürchten.

Da ist zum Beispiel Maria, die ein Kind bekommen soll. Das kann auch ganz schön ängstigen. Und was macht Maria? Sie besucht Elisabet, mit der sie verwandt ist. Auch sie erwartet ein Kind. Die beiden verbringen Zeit miteinander, erleben: Geteilte Furcht ist halbe Furcht. 

Da sind zum Beispiel die Hirten in den Weihnachtsgeschichten. Die haben ganz handfeste Angst. Ihre Schafherden sind bedroht. Durch Raubtiere, Dürre, unwegsames Gelände. Sie sehen Licht in einem Stall. Laufen hin, erleben die Geburt eines Kindes. Und vergessen darüber ihre Angst. Sie erfahren: Es lohnt sich, auf das zu sehen, was Zukunft verspricht. Das macht die Angst kleiner.

Die biblischen Texte sind dabei alles andere als naiv. Leben bleibt bedroht. Es kann Schlimmes passieren. Menschen können sterben. Vielleicht auch deswegen sind die alten Geschichten auch was für heute. Weil sie beides kennen: die Furcht und die Schritte aus der Furcht heraus. Dafür machen sie Vorschläge. Angst wird kleiner, wenn sich Menschen der Furcht stellen. Wenn sie anpacken, was man anpacken kann. Wenn sie neue Wege ausprobieren, weil die alten in Sackgassen führen. Wenn sie solidarisch sind mit denen, die in Krieg und Not und Verfolgung leben. Wenn sie teilen, was sie haben: Essen und Wohnung, Geld und Nähe, Worte und Zeit. So kann Gott auch erfahren werden: Wenn durch Menschen die Angst kleiner wird. Wenn der Satz „Fürchte dich nicht!“ wahr wird.

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