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SWR2 Wort zum Tag

27SEP2022
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Pflege in Altenheimen, Schuldnerberatung, Suchthilfe, Schwangerenberatung, Unterstützung für Gehandicapte, Tafeln für Bedürftige - die Liste lässt sich beliebig verlängern. All das und vieles mehr läuft unter dem Begriff der Caritas. Ein lateinischer Begriff, der für die christliche Nächstenliebe steht. Klar, viele staatliche Institutionen übernehmen heute solche und andere Hilfeleistungen. Aber es waren und sind gerade Christinnen und Christen, die zeigen: Der Glaube ist praktisch. Glauben heißt, sich für andere einzusetzen. Gerade für die, die Unterstützung und Solidarität brauchen.

Einer von ihnen war Vinzenz von Paul. Heute vor über 360 Jahren ist er in Paris gestorben. Vinzenz war französischer Priester und gilt als Begründer der neuzeitlichen Caritas. Vor allem, weil er die Fürsorge für Arme und die Krankenpflege auf eine breite Basis stellt. Sein Leitsatz: „Liebe sei Tat.“

Dabei hat der französische Priester zunächst ganz anderes im Sinn. Vinzenz von Paul führt ein spektakuläres Leben: Nach Theologiestudium und Priesterweihe reist er durch die Welt. Er wird von Piraten gefangen genommen, als Sklave verkauft. Jahre später wird er befreit. Doch sein Leben ist da bereits aus den Fugen geraten. Er gerät in eine persönliche Krise, das Ziel des eigenen Lebens verschwimmt. Und dann begegnet Vinzenz in Paris einer Vielzahl von Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen: Arme, Alte, verwaiste Jugendliche, gehandicapte Menschen. Für sie setzt er sich ein, sammelt Mitstreiter um sich. Er gründet eine Pflegeanstalt. Er versteht, dass psychisch Kranke keine Irren sind, sondern Hilfe brauchen. Heute gilt er als einer der ersten, die psychiatrisch arbeiten. Vinzenz von Pauls Ideen breiten sich aus. Die moderne Caritas und ihre Einrichtungen gehen auf ihn zurück. Aber sein Leitsatz „Liebe sei Tat“ kann für alle Situation gelten. Überall da, wo Handeln gefragt ist.

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