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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

23SEP2022
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Wenn ich morgens mein Auto starte, dann merke ich seit kurzem, dass der Motor nur noch mühsam anspringt. Ein Indiz, dass die Batterie wohl bald am Ende ist. Und bevor ich irgendwo rumstehe und dann gar nicht mehr vom Fleck komme, werde ich sie tauschen lassen. Dauert ein paar Minuten und das Problem ist gelöst.

Wenn das im Leben bloß auch immer so einfach ginge. Denn da merke ich hin und wieder auch, dass ich müde bin. Kraftlos. Mich nur schwer aufraffen kann. Dass meine innere Batterie zur Neige geht und bald am Ende ist. Weil ich viel zu viel gearbeitet habe. Mir zu wenig Pausen und Erholung gegönnt und dabei zu viel zugemutet habe. Wenn ich das merke, dann erschreckt mich das jedes Mal sehr. Weil ich inzwischen genug Menschen in meiner Umgebung erlebt habe, die diese Warnsignale ignoriert haben. Die einfach weitergemacht haben. Weil der Urlaub gerade nicht möglich war, ein wichtiges Projekt unbedingt noch erledigt werden musste. Und die dann eines Tages tatsächlich irgendwo gestanden haben und nicht mehr vom Fleck kamen. Nur, das lässt sich nicht so schnell beheben wie bei meinem Auto. Schon seltsam, dass wir auf unsere Autos oft besser achten, als auf uns selbst. Denn wenn es so weit gekommen ist, dann ist ein Mensch meistens Wochen und manchmal Monate außer Gefecht.

Damit es soweit gar nicht erst kommt, ist Seel-Sorge wichtig. Sich zu sorgen also um die Seele. Das kann etwa heißen, dass ich eine Mitarbeiterin entlaste, die erschöpft und überarbeitet ist. Eine Freundin, die nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht. Dass ich vielleicht auch mal rate, eine Auszeit zu nehmen. Damit die Seele zur Ruhe kommen kann. Seel-Sorge heißt aber auch, gut auf mich selbst achtzugeben. Warnzeichen nicht zu ignorieren. Nicht mehr zu tragen versuchen, als meine Seele ertragen kann. Ich kann und ich soll Seel-Sorger sein für die, die mir anvertraut sind. Aber nicht zuletzt auch für mich selbst.

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