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SWR1 Begegnungen

04SEP2022
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Mara Elena Zöller

Janine Knoop-Bauer trifft: Mara Elena Zöller, Koordinatorin von STUBE Rheinland-Pfalz/Saarland.

Teil 1
Seit Mittwoch ist die Welt zu Gast in Karlsruhe. Bei der 11. Vollversammlung des ökumenischen Rates der Kirchen treffen sich Vertreterinnen und Vertreter von christlichen Kirchen aus aller Welt und diskutieren über die großen Herausforderungen unserer Zeit. Aber auch abseits solcher großen Ereignisse kommen Menschen aus der ganzen Welt nach Deutschland, z.B. um hier zu studieren. Und wenn sie Glück haben landen sie dabei bei STUBE und bei Mara Elena Zöller. Die 29jährige Politikwissenschaftlerin koordiniert dieses deutschlandweite Programm für die evangelische Kirche in der Pfalz. Was STUBE ist, kann sie am besten selbst erklären:

Es ist ein Programm, das sich an internationale Studierende richtet, die hier in Rheinlandpfalz/Saarland eingeschrieben sind und aus …. dem globalen Süden stammen und die frei eingereist sind, das heißt es sind keine Erasmus-Studierende, sondern das sind Studierende, die quasi auf eigenen Verantwortung oder auf eigene Kosten hierhergekommen sind um eben die Bildung in Deutschland zu bekommen, die sie gesucht haben.

STUBE wird dabei finanziert von Brot für die Welt und den evangelischen Kirchen in Deutschland. Neben Orientierungshilfen fürs Studium sind es vor allem entwicklungspolitische Themen, die Mara Zöller mit den Studierenden diskutiert.

Es ist … ein Austausch von Wissen und ein Miteinander und ein voneinander Lernen vor allem und … einander zu hören um so … aus verschiedenen Perspektiven Dinge neu sehen und althergebrachten Herausforderungen eben mit neuen Lösungsansätzen zu begegnen.

Und neue Lösungsansätze braucht es um den großen globalen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Mara Zöller meint, Experten und Expertinnen aus aller Welt sind an deutschen Hochschulen als Studierende eingeschrieben. Es ist an der Zeit ihnen zuzuhören.

Viele der Studierende haben internationale Kompetenzen, von denen wir nur träumen können: … einen Umzug zu machen für mehrere Jahre oder vielleicht auch ein ganzes Leben dann in einem anderen Kulturkreis zu leben … bringt einfach ein großes Verständnis für Interkulturalität mit und da ist es mir eben wichtig den Leuten nicht nur irgendwie zu sagen: wir bringen euch etwas bei, sondern ich persönlich lege ganz großen Wert darauf eben Empowerment zu machen und zu sagen: ihr … seid auch die Elite unserer globalisierten nächsten Welt, unsere Zukunft. Da sehe ich Stube eben als Ermöglichungsplattform und Kirche an sich als Ermöglichungshelfer.

Wie schön, dass Kirche auch das sein kann – ein Ort an dem Menschen gemeinsam nach Lösungen suchen auf Augenhöhe. Gerade in der europäischen Geschichte, mit den Verbrechen der Kolonialzeit, haben Menschen in der Kirche ganz anders agiert und viel Schuld auf sich geladen. Aber Mara Zöller ist optimistisch.

Kirche ist meiner Ansicht nach nicht eine fixe Institution die sich nicht bewegen lässt, sondern … gibt den Raum weiter zu denken.

Teil 2

Maria Zöller ist Politikwissenschaftlerin und koordiniert STUBE – ein Studierendenprogramm für Studierende aus sogenannten Entwicklungsschwellenländern, die hier in Deutschland studieren. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie es sich anfühlt als Fremde wahrgenommen zu werden.

Hier in Deutschland werde ich, obwohl ich mein ganzes Leben in Deutschland war, als ausländisch, als anders gelesen. … In Brasilien sehe ich aus wie jeder und sobald ich meinen Mund aufmache ist klar ich bin gringa, also ich bin Ausländerin und ich glaube dieses Dazwischensein, zwischen Kulturen, zwischen Nationen … das Empfinden auch viele Studierende, die … diesen Schritt gewagt haben im Ausland zu studieren.

Zwischen den Stühlen - das ist sicherlich kein angenehmes Gefühl. Menschen sehnen sich nach Zugehörigkeit und danach anzukommen. Aber Mara Zöller meint, auch im Dazwischen gibt es Gemeinschaft.

Dieses Dazwischen ist, glaube ich, das neue „normal“. … Stube ist auch eine Auffangstation und eine Vernetzungsplattform … vor allem für Menschen, die dieses Dazwischen leben. Und in diesem Dazwischen … passiert auch extrem viel. Meiner Ansicht nach passiert da Innovation, weil dort fusionieren Kulturen, dort fusionieren Gedanken, dort fusionieren Zukunftsplanungen.

Ihre Begeisterung ist ansteckend: Wie sie das erzählt klingt es lebendig, spannend und zukunftsweisend. Und sie meint, wir alle stecken schon mittendrin in diesem Dazwischen:

Wenn man nur darüber nachdenkt was Digitalisierung bedeutet: Es gibt Leute hier in Deutschland, die … waren vielleicht noch nie über die europäischen Grenzen hinaus, aber sie lernen koreanisch, weil sie k-Pop Fans sind. Das heißt, rein durch die Digitalisierung passiert so viel Mischung von Kultur…  und ich … glaube, dass das extrem viel Potenzial hat …  das hat man ja jetzt gesehen bei covid:  Covid kennt keine Grenzen, Klimakatastrophe kennt keine Grenzen und das kann man eben nur gemeinsam machen und ich glaube das funktioniert nur wenn man Plattformen gibt um dieses Gemeinsame zu stärken und das herauszustellen.

Genauso eine Plattform ist STUBE. Und ich wünsche mir sehr, dass auch die Vollversammlung des ÖRK sich als eine solche Plattform erweist. Dass Kirche zeigt, sie kann wirklich so sein, wie Mara Elena Zöller sie beschreibt:

Es ist Gemeinschaft würde ich sagen, es ist die Fähigkeit Leute zusammenzubringen. …  Solidarität zu finden im anderen, Unterstützung zu finden ineinander, Respekt zu finden oder auch Verständnis für Positionen, die vielleicht nicht jeder hat oder auch die Möglichkeit mich zu hinterfragen in einem geschützten Raum. … das … ist für mich auch Kirche oder sollte Kirche sein im besten Falle und dass alle dort willkommen sind auch Leute die nicht getauft sind oder Leute die nicht christlich sind, sondern … ein Begegnungsraum … Geborgenheit in einer sehr flexiblen Art und Weise.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=36109