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SWR4 Abendgedanken

09SEP2022
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Die Hoffnung stirbt zuletzt – so heißt es in einem Sprichwort. Und zynische Leute ergänzen: Die Hoffnung stirbt vielleicht zuletzt – aber sie stirbt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass uns gerade tatsächlich die Hoffnung fehlt. Die Hoffnung, dass wir den Klimawandel noch in den Griff bekommen. Dass es irgendwann keine Kriege mehr auf der Welt geben wird. Und dass auf eine Pandemie nicht gleich die nächste folgt.

Vor allem in den letzten – bald drei Jahren – sind wir von einer Krise in die nächste geschliddert. Und wir spüren, wie verletzlich wir doch eigentlich sind.

Auch mir kommt die Hoffnung manchmal abhanden. Vor allem auch im Blick auf unsere Kinder. In was für einer Welt wachsen sie auf? Und was für Probleme werden sie später zu lösen haben? Können wir es ihnen jetzt noch leichter machen?

Fragen, die sich wie ein Schatten auf meine Seele legen, besonders abends. Aber dann kommt zum Glück ein neuer Tag. Manchmal hilft mir einfach, dass es wieder hell wird. Die Sonne jeden Tag auf- und wieder untergeht. Weil mich das an ein Versprechen erinnert: Ein Versprechen von Gott. Es ist eine bemerkenswerte Geschichte aus der Bibel: Denn Gott hat selbst einmal die Hoffnung verloren: die Hoffnung, dass die Menschen zu irgendetwas Gutem fähig sind. Er hatte das Gefühl, dass er nochmal ganz von vorne anfangen muss. Also hat er eine große Flut geschickt, eine Überschwemmung. Nur ein Mann namens Noah überlebte – zusammen mit seiner Familie und den Tieren an Bord eines Schiffes.  Die Menschen bekommen eine zweite Chance – aber auch sie sind nicht besser, gütiger oder gerechter als die Menschen vor ihnen. Vor der großen Katastrophe. Trotzdem gibt Gott selbst ein Versprechen ab: „Solange die Erde besteht, werden nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Er meinte damit, dass er mit der Schöpfung nicht nochmal ganz von vorne anfangen möchte. Die Lösung ist nicht ein Neustart und die Hoffnung, dass beim zweiten Mal alles perfekt laufen wird. Menschen sind nicht perfekt. Aber sie haben die Fähigkeit, etwas zu verändern. Wir können daran arbeiten, besser und gerechter zu werden. Und rücksichtsvoller gegenüber der Umwelt. Das ist vielleicht mühsamer und langsamer als ein Neustart. Aber es schenkt Hoffnung. Denn zu dieser Veränderung kann ich selber beitragen. Mit ganz kleinen und mit großen Schritten.

Es ist vielleicht naiv. Aber ja, ich glaube immer noch, dass wir es schaffen können, dass wir in einer Welt leben, in der es allen Menschen, Pflanzen und Tieren gut geht. Und dass die Hoffnung eben doch nicht stirbt.

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