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SWR4 Abendgedanken

05SEP2022
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Jetzt wird es Zeit für Plan B ... Im Fernsehen und im Film sagt das immer der Held, wenn irgendein toller Plan von ihm nicht klappt. Der Film-Bösewicht ist entwischt? Dann auf zu Plan B …  Ich finde im Leben ist es auch manchmal so. Man schmiedet Pläne und dann kommt es doch ganz anders.

Der Job, auf den man sich freut und der dann doch nicht klappt. Die Wohnung, die man am Ende vielleicht doch nicht bekommt. Die eine Prüfung, die man versemmelt – das kenn ich gut – oder man sich auf den Ruhestand freut und dann krank wird.

Immer dann kommt Plan B zum Einsatz. Manchmal denke ich: Plan B ist eigentlich eher Plan A. Und das muss ja auch nicht schlecht sein. Bei mir z.B.: ich bin durch eine wichtige Prüfung gefallen und habe sie dann als Plan B in den Ferien woanders wiederholt. Und da ganz nebenbei meine Frau kennengelernt.
Wie gut, dass es Plan B gab. Aber manchmal gibt es auch Situationen, da reicht nicht mal Plan B oder C oder D. Wenn man schwer krank wird oder eine Beziehung endgültig in die Brüche geht. Pläne nützen nur, wenn wirklich etwas zu planen geht. Wie im Film bei unserem Helden. Wenn er sagt: „Jetzt wird es Zeit für Plan B“ stellt sich fast immer heraus, dass es den gar nicht gibt. Es gibt eben Dinge, die lassen sich beim besten Willen nicht planen, weder mit A noch B noch C. Dann braucht es Vertrauen, dass nicht alles in der eigenen Hand liegt. Das gehört zum Leben dazu, und das macht es aus.

„Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte in Scheunen. Trotzdem ernährt sie euer Vater im Himmel.“.Das hat Jesus zu seinen Freunden gesagt, als sie gemeinsam unterwegs waren. Vielleicht auch, weil sie zu viele Pläne geschmiedet haben. Selbst über Dinge, die sich gar nicht planen lassen.

Pläne für das eigene Leben sind gut und wichtig, aber manchmal gehen sie halt einfach nicht auf. Deshalb braucht es eben das Vertrauen, dass manches nicht zu planen geht und trotzdem dazu gehört. Denn wer von uns weiß schon, welcher Plan am Ende zum Ziel führt.

Ich glaube nicht, dass es Jesus darum gegangen ist, dass wir ganz planlos durchs Leben marschieren sollen. Ich glaube, dass er sich gewünscht hat, dass ich in aller Freiheit mein Leben leben kann. Dass ich mir natürlich Gedanken über meinen Lebensplan machen kann und soll – aber eben dabei trotzdem noch offen dafür bin, dass es auch ganz anders kommen kann. Und dass das eben dann auch nicht unbedingt schlecht sein muss.

Denn manchmal ist eben Plan B doch Plan A.

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