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SWR3 Gedanken

18AUG2022
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Kai ist 32 und hat nicht mehr lange zu leben. Er liegt dick eingemummelt in seinem großen Rollstuhl. Um seinen Hals ein roter Fanschal und zugedeckt ist er mit einer großen VfB-Decke. Um ihn rum tausende Fußballfans. Kais Augen sind nur halb offen aber sie glänzen.

Einmal wollte Kai noch zu seinem Lieblingsverein und der Wünschewagen vom Arbeiter-Samariter-Bund hat ihn dorthin gebracht.

Katrin hat Kais Wünschewagen organisiert, von Sachsen bis Stuttgart zum VfB ist er gefahren. Die Wünschewägen, das sind schön hergerichtete Krankenwägen mit großen Fenstern, und mit dem fahren Ehrenamtliche an die Nordsee, in den Zoo, zur Familie, die weit weg wohnt, oder eben ins Fußballstadion.

Wenn der Wünschewagen kommt, muss niemand etwas bezahlen, denn der wird aus Spenden finanziert. es gibt ihn zum Beispiel in Mannheim, Mainz oder Ludwigsburg. Von dort aus fahren die umgebauten Krankenwägen los und erfüllen Herzenswünsche.

Inzwischen ist Kai gestorben und sein Vater sagt: „Ich hatte große Bedenken, ob Kai die Reise noch schafft. Als wir dann dort angekommen sind und ich seine leuchtenden Augen gesehen hab, da habe ich gewusst wir haben das Richtige gemacht.“

Die Wünschewagen machen Unbezahlbares möglich. Und vor allem die Menschen, die sie fahren, ganz egal wie weit. Sie verschenken ihre Zeit für die, die nicht mehr viel Zeit haben. Das ist etwas ganz Besonderes.

Der Vater von Kai betont: „Die letzte Fahrt ins Stadion ist für uns eine ganz wichtige Erinnerung. Die vergessen wir nie – genauso wie wir Kai nie vergessen werden.“

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