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SWR3 Gedanken

31JUL2022
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Meine Kollegin sagt einem Vater nach dem Klassenausflug „Sie können echt stolz sein auf ihren Sohn – er ist ein ganz toller Junge!“ . Der Schüler hatte es dieses Schuljahr echt nicht leicht: Aus Georgien in ein neues Zuhause in einem neuen Land, neue Schule, neue Klasse, neue Menschen…aber er hat sich so sehr angestrengt, dass er mittlerweile viele neue Freunde hat und gerne zur Schule kommt. Und das meldet die Klassenlehrerin dem Vater zurück. Der Sohn steht daneben und lächelt stolz. Nach dem Gespräch umarmen sich Vater und Sohn ganz innig und sind erleichtert.

Es berührt mich, wie ein kurzes Gespräch zwei Menschen so glücklich machen kann. Daran wird deutlich, dass oft nur ein paar ehrliche und wertschätzende Worte nötig sind, um so viel Freude zu bewirken. Aber im Alltag passiert es mir dann leider doch häufiger, dass ich mir für so etwas nicht die Zeit nehme oder es schlicht und einfach vergesse.

Und das, obwohl mir auf Anhieb Menschen einfallen, denen ich schon lange mal sagen wollte, wie toll sie sind: Zum Beispiel eine Kollegin, die für die Jugendlichen immer ein offenes Ohr hat und sie in allen Lebenslagen unterstützt. Ich könnte ihr sagen, was für eine tolle Lehrerin sie ist. Oder meine Großmutter, die mit 93 Jahren ihr Leben feiert. Ich könnte ihr sagen, was für ein Vorbild sie für mich ist, das Leben mit all seinen Facetten zu lieben. Oder mein Bruder, der mit seiner Laune alle um sich herum mitreißt. Ich könnte ihm sagen, was für ein Sonnenschein er für uns alle ist.

Heute mache ich genau das: Ich rufe alle drei an und lasse sie diese Worte hören. Weil solche Worte glücklich machen – nicht nur mein Gegenüber, sondern auch mich.

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