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SWR3 Gedanken

16JUL2022
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Love. Hate. Liebe und Hass. Die Künstlerin Mia Florentine Weiß hat diese beiden Wörter: LOVE und HATE - Liebe und Hass - in Stahl gegossen. Sie hat eine Skulptur erschaffen, die beide Worte verbindet. Ein Zwei-Wort-Gedicht. Ein Ambigramm. Das heißt: wenn man von der einen Seite auf die Skulptur schaut, dann liest man LOVE, betrachtet man das Werk aber spiegelverkehrt liest man plötzlich HATE.

Die LOVE-HATE Skulptur hat in den letzten vier Jahren an ganz unterschiedlichen Stellen in Europa gestanden. In Berlin vor dem Brandenburger Tor. In Brüssel, in Prag, vor dem Europapark in Rust und mittlerweile hat sie es sogar übers Meer in die USA geschafft.

Ein Freund meinte, er fände dieses Kunstwerk banal, ja geradezu simpel.
Ich dagegen finde es genial! Genial in seiner Einfachheit! Wir leben in einer Welt in der immer beides existiert: Liebe und Hass. Und nirgendwo erlebe ich das deutlicher als im Internet. An einem Tag wirst Du auf Insta und Youtube geliebt und gefeiert, am nächsten Tag wirst Du mit Hasskommentaren bombardiert. Ich habe beides schon erlebt.

Mich erinnert die Skulptur von Mia Florentine Weiß daran: Liebe ist kein Zustand, der für immer und ewig in Stahl gegossen ist. Liebe funktioniert nicht von selbst. Liebe ist immer wieder auch Arbeit. Zu Lieben bedeutet sich selbst zu reflektieren. Umzudenken. Eine andere Perspektive einzunehmen. Den Blickwinkel zu ändern und bereit zu sein den Schalter umzulegen.

Die Künstlerin nennt sich übrigens selbst: Jesusfreak! Und da verstehe ich ihre Kunst noch besser. Denn Jesus fordert von uns Menschen genau das: Denkt doch mal anders. Denkt doch mal um. Es ist so leicht den Feind zu hassen. Wie wäre es aber, wenn ihr der Liebe mehr Raum gebt? Ihr Menschen könnt das. Es ist schwer, aber machbar. 

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