Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

05JUL2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Alles in Ordnung?“ Oft ist diese Frage zu hören, wenn man sich begrüßt oder verabschiedet. Und gemeint ist damit: Ist alles ok? Bist Du gut drauf - im Prinzip jedenfalls? „In Ordnung sein“ heißt im Lot sein, in der Balance, im inneren Gleichgewicht. „Ordnung“ - das Wort ist ja leider etwas in Verruf geraten: law and order, Ordnungsamt, Beachtung der Vorschriften – das hat den negativen Beigeschmack, sich irgendwelchen Behörden und Instanzen unterwerfen zu müssen, gar bei Androhung von Strafe. Wer folgt da schon gern? Auch das Gefühl von Pflicht und Anstrengung ist gleich dabei: Ich soll Gesetze erfüllen oder muß etwas in Ordnung bringen.

Der fromme Volksmund sagt: „Der liebe Gott tut nichts als fügen“. Da kommt alles in Ordnung.  Da spielt dieses tiefe Vertrauen mit, das jede Mutter meint, wenn sie ihr verletztes Kind tröstend in den Arm nimmt: „es wird alles wieder gut“. Es wird sich schon fügen und wieder in die Reihe kommen, in die Ordnung. Die alten Griechen haben deshalb für die Welt und das Leben das wunderbare Wort „Kosmos“ geprägt, und das heißt zugleich „Ordnung“ und „Schmuck“, bis hin zur Kosmetik. Ja, in Ordnung sein hat mit Schönheit zu tun. Simone Weil, die große Denkerin, hat einmal geschrieben: „Der Schönheit der Welt keine Aufmerksamkeit zu schenken, ist vielleicht ein so großes Verbrechen der Undankbarkeit, dass es die Strafe des Unglücks verdient.“ In der Tat: es gibt Naturgesetze, es gibt gute Ordnungen, Fügen und Verfügen hängen zusammen.

„Du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet“ – heißt es in einem wunderbaren Gebet in der Bibel. „Denn du bist immer imstande, deine große Macht zu entfalten … Die ganze Welt ist ja vor dir wie ein bisschen Staub auf der Waage, wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt.“ (Weisheit 11,20ff). Welch großes Vertrauen ins Dasein! Nichts ist selbstverständlich, aber in allem ist eine Ordnung zu entziffern, ja eine führende Hand. Was die Alten Kosmos nannten, wird biblisch als Gottes Schöpfung verstanden, als Ausdruck seiner Treue und Gerechtigkeit.  Ja, es wird alles gut. Deshalb ist die Frage so treffend, mit der sich auch dieser Tag begrüßen lässt: „alles in Ordnung?“ Wenn ja, wunderbar; wenn nein, dann arbeiten wir dran.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35715