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SWR4 Abendgedanken

05JUL2022
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Junge Filmemacher haben in der Mannheimer Innenstadt einmal ganz unterschiedlichen Menschen dieselbe Frage gestellt: „Was ist ihnen heilig?“ Entstanden ist daraus ein sehenswerter Dokumentarfilm. Als ich ihn angeschaut habe, da habe ich gedacht: Wenn mich auf der Straße einer urplötzlich das fragen würde, ich wäre wahrscheinlich im ersten Moment sprachlos. Und so ging es auch vielen der Menschen in diesem Film. Wer denkt schon ständig daran, was ihm heilig ist. Es sind Menschen in alltäglichen Situationen. Auf der Straße, auf dem Weg zur Arbeit oder zur Kneipe am Abend. Aber auch Menschen in Kirchen, Synagogen und Moscheen. Und ihre Antworten sind genau so bunt und unterschiedlich wie wir Menschen es nun mal sind. Das macht den Film so faszinierend. Fast immer haben die Antworten der Menschen etwas mit ihrem ganz konkreten Leben zu tun, und den Meisten ist gemeinsam: Heilig ist immer etwas, das ihnen ganz besonders wichtig ist. Etwas, woran das Herz hängt. Da ist zum Beispiel der Vater, der das Foto seines Kindes herauskramt. „Heilig ist mir mein Sohn“, sagt er. Von seiner Frau lebt er getrennt und kämpft nun um das Besuchsrecht für sein Kind. Und während er davon erzählt, ringt er mit den Tränen.  Aber da ist auch der junge Polizist, den die Kamera beim Anlegen seiner Uniform beobachtet. Für ihn sei das eine Art tägliches Ritual, erzählt er. Eine Art heiliger Moment. Weil er sich damit von dem Privatmann in den Menschen wandelt, der sich nun für alle sichtbar und ganz bewusst in den Dienst für andere stellt. Um Menschen zu helfen oder zu beschützen. Oder um die Ordnung zu bewahren, ohne die wir nicht zusammenleben können. Das, was uns heilig ist, das habe ich aus dem Film mitgenommen, finden wir ganz oft in unseren Mitmenschen. Und immer wieder auch in den Augenblicken unseres Lebens, die meinen Alltag zu etwas Besonderem gemacht haben. Oft werden sie mir erst im Nachhinein bewusst.

Wonach die Filmemacher nicht konkret gefragt haben: Ob die Menschen überhaupt gläubig sind. Und vielleicht ist das ja auch gar nicht wichtig. Denn als Christ und Theologe ist „heilig“ für mich untrennbar mit Gott verbunden. Und Spuren Gottes, so glaube ich, lassen sich immer und überall finden. In allem, was mir begegnet. Und besonders in den Menschen, die ich treffe. Ein gläubiger Muslim bringt es im Film darum für mich am prägnantesten auf den Punkt, wenn er sagt: „Jeder Mensch ist heilig, ohne Ausnahme.“ Da kann ich ihm als Christ nur voll und ganz zustimmen.

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