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SWR4 Abendgedanken

04JUL2022
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Immer wieder mal komme ich an einen Punkt, wo ich denke: Das ist alles viel zu viel. So kannst du nicht weitermachen. Du musst was ändern. Nur wie?

Der Anfang ist: Ausmisten, wegwerfen, Platz für Neues schaffen. Doch das schiebe ich immer gerne vor mir her. Auf meinem Schreibtisch zum Beispiel. Ich räume ihn nur selten auf, und wenn, dann dauert es oft nicht lange und er ist wieder voll mit Papieren, Notizen und Büchern. Oft Zeug, dass ich gar nicht mehr brauche. Und auf dem Sessel daneben, der eigentlich zum Ausruhen und Lesen gedacht ist, stapeln sich die alten Zeitungen und Zeitschriften. Dabei weiß ich ja, wie viel Lebenszeit und Nerven es kosten kann, wenn ich etwas ganz Bestimmtes suche und dafür erst all die Papierstapel durchwühlen muss. Mein Schreibtisch also, ein Bild fürs Leben. Denn auch da tut es ja nicht gut, wenn es zu dicht, zu voll, zu gedrängt ist. Wenn kaum noch Platz bleibt zum Ausspannen und Durchatmen. Keine Freiräume da sind, um Neues zu entdecken und auszuprobieren. Höchste Zeit also, auch da Platz zu schaffen. Mich von Überflüssigem zu trennen und auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

Prüft alles und behaltet das Gute hat der Apostel Paulus den Christen in Thessaloniki (1Thess 5,21) mal geraten. Gedacht war das nicht nur als Ratschlag, wie sie ein gutes Leben führen können. Ihm ging es auch ganz konkret um ein Leben als Christinnen und Christen. Ohne Vorbehalte sollen sie sich alles anschauen. Auch das Unbekannte und Neue. Und nicht gleich abwinken, frei nach dem beliebten Motto: Das haben wir hier noch nie so gemacht. Stattdessen ruhig überlegen, was mir als Mensch und als Christ guttut. Und dann entscheiden. So der Rat des Paulus. Ein weiser Rat, finde ich.

Wenn ich versuche, das auf mein Leben anzuwenden, dann könnte das heißen: Den Terminkalender hin und wieder mal auszudünnen. Nicht von einem Projekt ins nächste zu hetzen. Ich brauche auch Pausen. Leerzeiten. Zeit für mich. Zum Zweiten: Engagements und Arbeitsbeziehungen, die mich belasten und mir nicht guttun auch mal beenden. Das fällt oft am Schwersten. Aber es befreit. Und schließlich: Mal einen Schritt raus aus meiner Blase wagen. Andere Meinungen und Lebensentwürfe nicht gleich abwehren. Genau hinhören, nachdenken und dann entscheiden, ob da auch nicht was dran sein könnte. Gott lässt sich schließlich überall finden. Manchmal sogar da, wo ich ihn gar nicht vermute.

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