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SWR3 Gedanken

01JUL2022
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„Sie haben doch bestimmt Verwendung dafür.“
Schon wieder hat jemand eine Tüte mit alten Bibeln und Gesangbüchern im Pfarramt abgegeben. Sachen, die man beim Umziehen nicht wegwerfen, aber eben auch nicht mitnehmen will.

Aber hey – Nein! Ich habe keine Verwendung dafür!
Nicht für Gesangbücher der letzten 200 Jahre und nicht für alte Bibeln in Frakturschrift, selbst wenn sie einen Goldschnitt haben und mit Kupferstichen illustriert sind.

Ich sammle keine Bibeln, und die Nachfrage nach gebrauchten Bibeln strebt gegen Null. Es werden ja ständig neue Bibeln gedruckt. In verständlicherer Sprache, mit ansprechenderem Layout und mit Erklärungen. Und dann gibt es ja auch noch Apps zum Runterladen. Wer seinen Alltag mit der Bibel bestreiten will, kann sie auf diese Weise platz- und raumsparend immer bei sich auf dem Smartphone haben.

Deswegen bin ich überzeugt: Auch Bibeln dürfen in die Papiertonne oder auf den Recyclinghof!

Wem das schwer fällt, empfehle ich den jüdischen Ritus des Torarollenbestattens. Wenn die Schriftrollen, aus denen im Synagogen-Gottesdienst gelesen wird, schadhaft werden, wird die Rolle feierlich bestattet. Das Wort Gottes wird so also der Erde Gottes übergeben.

Das ist für Bibeln natürlich auch denkbar. Aber die grüne Tonne ist auch ok. Das Papier darin wird ja recycelt. Eine Bibel ist nicht per se heilig.
Heilig werden biblische Worte, wenn sie für jemanden wichtig werden. Und dann neu erzählt und gelebt werden. Im Heute. Für heute. So bleibt das Wort Gottes lebendig. Für immer.

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