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SWR3 Gedanken

21JUN2022
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Es geht los. Mit Vollgas beschleunigt unser Flugzeug, um sich wenige Sekunden später in den Himmel zu schwingen. Erst ist die graue Wolkendecke noch über uns, dann sehe ich im ovalen Fenster nur noch grau. Aber dann kommt er endlich: der Ort über den Wolken, wo der Himmel immer blau ist und die Sonne scheint.

Okay, ich bin gerade nicht im Flieger. Ich sitze am Küchentisch und schau den vorbeiziehenden Wolken zu. Dabei denke ich an meine Flug-Szene, weil sie mir etwas auf so atemberaubende Weise gezeigt hat: Dass es immer eine Frage der Perspektive ist, wie ich die Dinge sehe. Vor allem, wenn ich in einer blöden Situation stecke. Wenn ich stundenlang im Stau stehe und einen wichtigen Termin verpasse, oder wenn mich eine verletzte Hand wochenlang lahmlegt. Dann bin ich gefrustet und kann erstmal nur graue Wolken sehen. Wenn ich aber jemanden hab, dem ich mein Herz ausschütten kann – brühheiß und ungeschönt; dann ist es so, wie wenn ich in diesem Flieger sitze und durch die graue Suppe durchfliege. Ich muss mich nicht allein fühlen und das gibt mir so einen Push durch den Mist durch.

Dann kann ich im besten Fall sehen, dass es auch noch blauen Himmel gibt: Mitten im Stau ein Song im Radio, den ich aus Leibeskräften mit johle oder die vielleicht längst fällige Auszeit wegen der lädierten Hand. Klar, Wolken bleiben Wolken, und die können manchmal die Sonne total verdunkeln. Aber es gibt was dahinter. Zum Glück hilft mir jemand dabei, dass ich da hinkomme und die Sonne wieder sehen kann. Dieser Jemand ist für mich Gott. Und manchmal ein lieber Mensch. Oder beide zusammen.

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