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SWR3 Gedanken

20JUN2022
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Es kommt nichts. Ich drehe den Wasserhahn auf und: nichts. Ich schaue ins trockene Waschbecken und dann fällt es mir wieder ein: Heute wird ja unser Wasser abgedreht. Zum Glück habe ich Vorkehrungen getroffen und hole die Wasserflasche. Auf die Grundversorgung ist hierzulande Verlass – das gibt mir Sicherheit. Was sind da schon ein paar Stunden ohne Leitungswasser. Für andere ist das Dauerzustand; in den vielen Kriegsgebieten oder Dürreländern gibt es statt Grundversorgung eher Verwüstung und Trockenheit.

Aber es braucht schon mehr, um sich wirklich sicher zu fühlen: Zum Beispiel, dass ich Menschen um mich habe, mit denen ich mich zusammenraufen kann und dass ein paar davon nicht wegschauen, wenn es mir schlecht geht. Oder natürlich dieses sichere Gefühl, dass ich nachts schlafen kann, weil mich niemand bedroht. Das hab ich alles und dafür bin ich echt dankbar.

Aber es gibt in unserem Land auch viele, für die sich das nicht so anfühlt. Für die Männer und Frauen, die auf der Straße leben oder für die unglaublich vielen, die mit schrecklichen Bildern im Kopf zu uns geflohen sind. Was für ein Glück, dass es so viele gibt, die sich nicht nur in ihrer eigenen Sicherheit sonnen, sondern die sich für genau diese Sicherheit reinhängen. Damit sie bleibt oder damit sie für andere erst möglich wird. Ob es das Team ist, das die Leitungen in unserer Straße in Schuss hält, oder die Frau, die Wohnungen vermittelt, an alle, die dringend danach suchen, oder der Typ von der Müllabfuhr, der dafür sorgt, dass wir nicht im Müll ersticken.

Sicherheit entsteht aus diesem riesengroßen Miteinander; da zählt jeder Beitrag. Den leistet auch mein Nachbar, wenn er mich einfach so fragt: Hey, magst du heut Abend zum Grillen rüberkommen?

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