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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

21JUN2022
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Max und Julia wollen heiraten. Ich besuche die beiden, um mit ihnen den Traugottesdienst zu planen. Sie erzählen mir, wo sie sich kennengelernt haben, wie Max den Heiratsantrag gemacht hat und wie sie sich ihren großen Tag vorstellen.

Julia sagt: „Einen Trauspruch aus der Bibel haben wir uns auch schon ausgesucht.“ Sie liest vor: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. […] Nur der Tod wird mich und dich scheiden. (Rut 1,16f.)

Schöne Worte haben die beiden sich da ausgesucht. In der Bibel spricht sie eine junge Frau – Rut heißt die. Aber Rut gibt dieses Treueversprechen nicht, wie man meinen würde, ihrem Liebsten. Rut spricht mit ihrer Schwiegermutter.

Die Schwiegermutter ist verwitwet. Ruts Mann ist auch früh gestorben. Die beiden Frauen sind auf sich allein gestellt, ohne, dass sie jemand versorgt. Rut weiß: Ihre Schwiegermutter wird es schwer haben. Deshalb will sie bei ihr bleiben und mit ihr gehen, als die in ihre alte Heimat zurückkehrt. Und Rut ist sich sicher: „Zusammen schaffen wir das schon.“

Als Max das hört, ist er nicht wirklich begeistert und raunt Julia zu: „Ich weiß nicht, ob das passt… Das wäre ja so, als ob ich zu deiner Mutter ziehen würde.“ Julia lacht und sagt: „Aber wir geben uns doch gegenseitig das Versprechen. Das ist es doch, warum wir heiraten wollen.“

„Stimmt schon“, antwortet Max. „Wenn es dir schlecht geht, will ich für dich da sein und dich unterstützen, so gut wie ich kann. Sogar auch, wenn das bedeutet, dass ich dafür zurückstecken muss. Also bleibt es dabei: Wir nehmen den Trauspruch.“

Mich freut das. Ich glaube, das Versprechen, füreinander da zu sein, tut Liebespaaren gut. Aber nicht nur denen: Wie Rut übernehmen Menschen Verantwortung in vielen Beziehungen. Sie sind für Angehörige da, die es schwer haben, die Unterstützung brauchen. Oder für Freundinnen und Freunde, die in einer Krise stecken.
Ihnen allen tut es gut zu hören: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen. Wo du bleibst, da bleibe ich auch. Zusammen schaffen wir das schon.“

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