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SWR2 Lied zum Sonntag

12JUN2022
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In der Tradition der islamischen Mystik hat Gott hundert verschiedene Namen. 99 davon sind den Menschen bekannt. Der hundertste aber bleibt ein Geheimnis. So ist sichergestellt, dass der Mensch sich zwar auf vielerlei Weise Gott nähern kann, aber niemals sein Geheimnis ganz ergründen. Auch in der christlichen Tradition gibt es so ein Zahlenspiel. Da hat Gott sich den Menschen auf dreierlei Weise offenbart: Als Schöpfer, in Jesus Christus und durch den Heiligen Geist:

Unser Gott hat uns geschaffen, Mann und Frau, sich selbst zum Bild.
Und Gott schuf die eine Erde, Pflanzen, Tiere, zahm und wild.
Dann hat Gott zu treuen Händen uns die Erde anvertraut,
sie im Segen, durch Gefahren zu bebauen und bewahren.
Dazu braucht Gott dich und mich, daran glaube ich.

Dieses Lied ist ein zeitgenössisches Glaubensbekenntnis. In seinen drei Strophen besingt es die drei Erscheinungsweisen Gottes. Und es betont, was für den Glauben heute wichtig ist. Von Jesus Christus heißt es:

Unser Gott ist Mensch geworden, kam als Kind auf diese Welt,
dass die Liebe frisch erblühe, Hoffnung unsre Nacht erhellt.
Doch der weg des Gottessohnes führt durch Leid, durch Kreuz und Tod,
bis er, der so preisgegeben, auferstand in neues Leben
und nun wirkt durch dich und mich, daran glaube ich.

Der Glaube an den dreieinigen Gott setzt ein Handeln frei, dass seinem Wesen entspricht. Davon handelt das Ende der einzelnen Strophen. Gott setzt auf dich und mich, um sein Reich Wirklichkeit werden zu lassen – mitten im Leben. Und der Heilige Geist schenkt uns Kräfte, die das Menschenmögliche übersteigen:

Unser Gott will, dass wir leben, Kraft dazu schenkt Gottes Geist,
der uns jeden Tag beflügelt und uns jenen Tag verheißt,
an dem Tod und Tränen enden, Schmerz und Trauer nicht mehr sind.
Doch zuvor wird er uns lehren, unser Brot so zu vermehren,
dass es reicht für dich und mich, daran glaube ich.

Heute feiern wir den Sonntag Trinitatis. Es ist der Sonntag, an dem Christen sich bewusst machen, dass Gott ein Geheimnis bleibt, auch wenn er schon so viel von sich preisgegeben hat. Denn beides will gefeiert werden: Dass Gott uns Vater und Bruder, Freundin und Quelle des Lebens ist. Und dass er in all dem Gott bleibt, weiter als unser Herz und höher als all unsere Vernunft.

Quelle: Chor badischer Kantorinnen und Kantoren unter der Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Kord Michaelis, Klavier: Johannes Link

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