SWR3 Gedanken

01JUN2022
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Nein, ich werde jetzt kein Loblied auf Kinder singen. Nein, ich möchte keine „Kinder an die Macht“. Aber heute am Weltkindertag sage ich: Kinder sollen Kinder sein dürfen – und wir Erwachsenen sind dafür verantwortlich. Ein Beispiel?

Es gibt da diese Grundschule. Umgeben von einer ganz normalen Stadt in Deutschland. Aber in diese Grundschule gehen nur ungefähr die Hälfte der in diesem Stadtteil lebenden Kinder. Warum? Weil die Grundschule einen verdammt schlechten Ruf hat. Schon von außen sieht die Grundschule heruntergekommen aus. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen und wie es scheint, interessiert das keinen. Nun gehen also hauptsächlich Kinder auf diese Grundschule, die so ihre Probleme im Leben haben: Eltern, die sich nicht so kümmern, beengte Wohnungen, oft zu wenig Geld in den Familien. Das sind Strukturen, die die Kleinsten wissen lassen, dass man sie nicht braucht.

Wichtig wäre zum Beispiel eine Schulküche mit einer Köchin, die mit den Kindern zusammen kocht. Aber das ist ja ganz utopisch! Viel zu teuer! Und überhaupt, ist das nicht vorgesehen, also wird es auch nicht gemacht. Ob die Kinder das Essen brauchen? Danach wird nicht gefragt. Auch nicht danach, was die Kinder sonst zum Lernen brauchen - Sozialarbeiter und Lernbegleiterinnen – das wäre ja wirklich zu viel verlangt!

Geht so Kindsein in Deutschland? Dafür sind wir Erwachsene verantwortlich. Es liegt in unserer Verantwortung, dass Kinder eine gute Schule besuchen können. Dass sie gutes Essen bekommen und alle Möglichkeiten haben, etwas aus sich zu machen. Und vor allem, dass sie den Glauben an sich selbst und eine gute Zukunft nicht verlieren. Das ist unsere Verantwortung. Und am heutigen Weltkindertag sage ich laut und deutlich: Nein, so geht es nicht.

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