SWR3 Gedanken

31MAI2022
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„Kinder brauchen Schwarzbrot - Kinder brauchen etwas zum Kauen“, das sagte die wohl größte deutsche Theologin Dorothee Sölle. Und ich denke da an Mütter, die ihre Kinder nicht alleine draußen spielen lassen, weil das viel zu gefährlich ist.

Oder an Lehrer, die den Lehrstoff wunderbar pädagogisch aufbereiten: Fremdwörter entfernen, komplizierte Satzbauten glätten, schwierige Zusammenhänge vereinfachen – und sich wundern, dass bei den Schülerinnen und Schülern nichts hängenbleibt.

Kinder müssen lernen, eigenverantwortlich zu handeln, Kinder müssen lernen, selbstständig zu denken. Und dafür brauchen Kinder Herausforderungen – Schwarzbrot eben.

Und ich sage das aus reinem Eigeninteresse: denn zum Glauben braucht es Menschen, die mit Schwarzbrot klarkommen. Die Basis des christlichen Glaubens ist ein Buch: die Bibel. Aber diese Basis muss gelesen und verstanden werden, auch kritisch hinterfragt werden: warum haben die das damals so gedacht? Gilt das heute noch? Vor allen Dingen: was hat das mit meinem Leben zu tun? Kann mir das in meinem Leben helfen?

Die Bibel erzählt vom Leben: von menschlichem Leid in all seinen Formen und Farben, von menschlichem Glück in all seinen Formen und Farben, von Dankbarkeit – und von Gott.

Die Bibel ist das Schwarzbrot unseres Glaubens: sie nährt und sättigt. Und es braucht Menschen, die dieses Schwarzbrot kauen können. Die es aufnehmen mit den oft schwierigen Texten. Denn nur so wird die Bibel zu Worten des Lebens, die den Hunger stillen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35498
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