SWR3 Gedanken
„Ich habe mich so danach gesehnt, dass er einmal sagt: ‚Ich liebe dich.‘“ Dirk steht vor mir. Ein bisschen hilflos – und unendlich traurig. Er erzählt mir von seinem Vater: „Er hat es nie gesagt: Mein Sohn, ich liebe dich.“ Dirk ist so um die Fünfzig. Sein Vater ist vor ein paar Tagen gestorben.
Als klar war, sein Vater stirbt, saß er bei ihm am Bett. Tag und Nacht. Hat seinem Vater die Hände und Füße gewärmt. Hat ihm den Mund mit warmen Wasser befeuchtet. Hat um jeden Atemzug gebangt. Was er nicht gemacht hat, er konnte seinem Vater einfach nicht sagen: Papa, ich liebe dich. Irgendwie fehlte etwas zwischen den beiden.
Wie anders ist es, als Jesus getauft wird. Da spricht eine Stimme vom Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Freude.“ (Markus 1,11b) Und Jesus geht seinen Weg weiter, aber er geht ihn in der Gewissheit: Ich bin geliebt, ich bin Gottes geliebtes Kind. Diese Liebe bleibt in ihm, wohin ihn auch sein Lebensweg führt.
Christinnen und Christen glauben: Wir alle sind geliebte Gotteskinder, Gott sagt auch zu uns: „Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Freude!“
Wie gut tut es, wenn auch wir das in unserem Leben unseren Kindern, aber auch unseren Eltern sagen können: Ich liebe dich.
Klar, Liebe bewahrt nicht vor allem Schweren. Aber sie ist ein Antrieb, der mich wachsen lässt – über viele Widerstände und Hindernisse hinaus. So gebe ich die Liebe, die mir geschenkt wurde, weiter in die Welt. Deshalb sollte man damit nicht geizen und es sagen, wo es stimmt: Ich liebe dich!
Inspiriert durch Tina Willms „Erdennah – Himmelweit, ein Jahresbegleiter zu den Wochensprüchen“.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=35497