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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

03JUN2022
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Nada te turbe, nada t´ espante –nichts soll dich verwirren, nichts soll dich erschrecken. Das ist ein Vers aus einem Lied, das ich in letzter Zeit immer wieder vor mich hinsumme oder manchmal wie ein Stoßgebet vor mich hin stammle. Es tut mir gut und beruhigt mich. Vielleicht weil ich mich selten so unruhig und ängstlich erlebt habe, wie zurzeit.

Dieser Satz ist der Beginn eines Textes, der Teresa von Avila zugeschrieben wird. Sie ist eine spanische Mystikerin und hat im 16. Jahrhundert gelebt und gewirkt. Bei ihrem Tod fand man in ihrem Gebetbuch einen Zettel mit diesem „Nada te turbe“. Reichlich abgegriffen und vermutlich viel benutzt.

Der ganze Text lautet:

„Nichts soll dich verwirren,
nichts soll dich erschrecken,
alles geht vorüber:
Gott zieht nicht um
Die Geduld
erreicht alles,
wer Gott zu Gast hat,
dem fehlt nichts:
nur Gott genügt.“*

Vermutlich musste auch diese Frau sich immer wieder selbst ermutigen. Sie lebte in unruhigen Zeiten, mehrere Kriege tobten im Land, die von ihr gegründeten Klöster wurden bedroht. Sie selbst war chronisch krank und brauchte viel Kraft, weil sie ständig beobachtet und ihren Glauben rechtfertigen musste.

Da mag ihr dieses Gebet geholfen haben. Es waren vermutlich nicht allein die Worte, die sie getröstet haben. Und auch nicht die Erfahrung, dass alles irgendwann vorübergeht und es manchmal viel Geduld braucht. Ich glaube, es war ihr tiefes Vertrauen auf Gott. Mich berührt besonders ein Satz in diesem Text: „Dios no se muda.“ -  Gott zieht nicht um. Das bedeutet: Gott bleibt bei Dir. Er geht nicht weg – was immer auch geschieht: Er macht sich nicht aus dem Staub.

Das steht da und wirkt auf mich wie in Stein gemeißelt. Unumstößlich gilt seine Zusage. Was auch passiert. Ich bin mit dir – ich bin, wo Du bist.
Ich bin alles andere als furchtlos, und zurzeit gibt es vieles, was mich unruhig sein lässt und besorgt: der Krieg in der Ukraine, die zunehmenden Klimakatastrophen, ein Freund der sterbenskrank ist. Doch diese Zusage gibt mir Halt: Gott zieht nicht um.

*Übersetzung: Mariano Delgado in: Reinhard Körner, „Gott allein genügt nicht- Gott nur ist genug“, Münsterschwarzach 2015, S. 39

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