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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

24MAI2022
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„Es gibt nur noch Baden-Württemberger!“ hat der Ministerpräsident vor kurzem bei den Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag unseres Bundeslandes behauptet. 1952 wurde aus drei selbständigen Landesteilen der Südweststaat: Baden-Württemberg. Und Winfried Kretschmann meint, dass es mehr als zwei Generationen später keine Rolle mehr spielt, aus welcher Ecke des Ländles einer kommt. Ich habe überlegt, worauf ich mich beziehe, wenn ich mich irgendwo vorstelle. Dann sage ich vielleicht: Ich komme aus Pforzheim. Oder: Ich lebe am Albtrauf. Oder: Ich bin überzeugte Europäerin. „Ich bin Baden-Württembergerin“, das habe ich noch nie gesagt. Aber wichtig ist für mich, zu einer Gemeinschaft zu gehören, in der Gemeinsamkeiten sich nicht über die Herkunft definieren, sondern über die Zukunft.

Davon hat auch schon ein Mann geträumt, der oft als der erste Christ bezeichnet wird: Paulus. In der Mitte seines Lebens hat er seine Herkunft hinter sich gelassen, in jeder Hinsicht, geographisch, politisch, religiös. Für einen Mann seiner Zeit ist er unglaublich viel herumgereist. Im ganzen Mittelmeerraum hat er versucht, die Menschen für seine Vision einer großen neuen Zugehörigkeit zu gewinnen. Den Kontakt zu den vielen Menschen, die ihm auf seinen Reisen begegnet sind, hat er durch Briefeschreiben aufrechterhalten. Ein paar davon sind in der Bibel erhalten geblieben. Und da schreibt er einmal: „Es spielt keine Rolle mehr, ob einer ein Jude ist oder ein Grieche, ein Sklave oder ein Freier, ein Mann oder eine Frau. Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder, weil ihr durch den Glauben mit Jesus Christus verbunden seid.“

Wenn man mich fragt, woher ich komme, kann ich also auch sagen: „Ich bin Christin.“ Ich gehöre zu einer Gemeinschaft, die offen ist und nach vorne schaut. Und die auch niemanden ausgrenzen will. Und vielleicht taugt das auch als Vorbild für unser Bundesland Baden-Württemberg: Wenn es keine Rolle mehr spielt, ob ich Alemanne bin oder Kurpfälzerin, Enkelin eines türkischen Gastarbeiters oder geflüchtet aus der Ukraine, adoptiert aus Äthiopien oder Kind donauschwäbischer Eltern. Wenn wir alle auf das schauen, was uns verbindet und was uns in der Zukunft noch mehr verbinden könnte, dann wird es vielleicht Wirklichkeit: Und es gibt nur noch Baden-Württemberger!

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