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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

18MAI2022
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Es ist ein großer Moment, wenn man etwas schafft, das man sich lange nicht zugetraut hat. Als ich als Kind das erste Mal vom Drei-Meter-Brett gesprungen bin war so ein Moment für mich. Ich war oben auf dem Sprungbrett, und meine ganze Klasse hat mich angefeuert, bis ich endlich gesprungen bin. Es war ein tolles Gefühl, als ich wieder aufgetaucht bin und alle applaudiert haben.

Oder meine Freundin Tina. Sie hat vor ein paar Wochen zum ersten Mal alleine Urlaub gemacht, seit ihr Partner sich von ihr getrennt hat. Zuerst wollte sie ihre erste Reise alleine wieder absagen, aber ihr Bruder hat ihr Mut gemacht, und dann war diese Reise so wichtig für sie. 

Es gibt solche Sternstunden, in denen man etwas schafft, von dem man bis dahin gedacht hat, das könnten nur die Anderen. Der Jünger Petrus hat so etwas auch erlebt. Die zwölf Jünger sind mit dem Boot auf einem See unterwegs, und es gibt richtig hohe Wellen. Dann passiert etwas Unheimliches. Jesus kommt ihnen zu Fuß übers Wasser entgegen. Die Jünger bekommen Angst. Jesus beruhigt sie: ‚Habt Vertrauen, ich bin es!‘. Und jetzt kommt Petrus. Er packt all seinen Mut zusammen und macht es so wie Jesus. Er setzt seine Füße auf das Wasser, und sie tragen ihn. Er schafft das Unmögliche. Aber dann bekommt er doch Angst und geht fast unter. Jesus zieht ihn raus und fragt: „Petrus, warum hast du mir nicht mehr vertraut?“ (Mt 14, 22-33).

Aber so einfach ist Vertrauen ja nicht, und es ist auch gut, dass wir Ängste haben. In jedem Zögern zeigen sich unsere Grenzen, und die wollen respektiert werden. Gleichzeitig kann es einen auch weiterbringen, wenn man Ängste überwindet. Am besten mit der Hilfe von anderen. So wie Petrus in der biblischen Geschichte. Er hat die Hand von Jesus gegriffen und sich aus dem Wasser rausziehen lassen und dabei die Erfahrung gemacht: wenn ich vertraue, dass da jemand ist, der an mich glaubt, kann ich manchmal über mich selbst hinauswachsen. 

Wenn im Leben vieles in Aufruhr ist oder wenn ich das Gefühl habe, dass ich vieles ganz alleine schaffen muss, würde ich am liebsten aufgeben. Dann helfen mir Menschen, die an mich glauben – solange, bis ich selbst an mich glauben kann. Dann kann ich so vieles schaffen. Und für mich kommt noch etwas dazu: Ich vertraue darauf, dass auch Gott mich in solchen Momenten ‚trägt‘. Er glaubt in jedem Fall an mich und daran, dass ich so vieles schaffen kann.

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