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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

21MAI2022
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„Leben teilen“ – Unter diesem Motto steht der Deutsche Katholikentag, der am kommenden Mittwoch in Stuttgart beginnt. Es ist der 102. in einer langen Geschichte.

Katholikentage wollen immer die „Zeichen der Zeit“ bedenken. Und die stehen aktuell auf Sturm. Das liegt nicht nur an den bedrückenden Umständen des Kriegs in der Ukraine, der Pandemie oder des Klimawandels. Auch der Kirche selbst bläst der Wind kräftig ins Gesicht.

Erstmals stellen die Christen nicht mehr die Mehrheit hierzulande. Die Verbrechen des sexuellen Missbrauchs und andere innerkirchliche Skandale haben das Vertrauen der Gläubigen zutiefst erschüttert. Die Zahl der Kirchenaustritte ist beängstigend. Männer und Frauen, die über Jahrzehnte in Pfarreien und Verbänden mitgearbeitet haben, verlassen ihre Kirche. Experten sprechen von einer Kernschmelze. Hinzu kommt: Der christliche Glaube verdunstet.

Wie soll es weitergehen? Engagierte Katholikinnen und Katholiken haben sich zusammen mit dialogbereiten Bischöfen auf den „Synodalen Weg“ gemacht. Ihre Reformvorschläge werden in Stuttgart ein wichtiges Thema sein. Das Christentum hat in 2000 Jahren immer wieder tiefe Krisen erlebt und auch überwunden. Das geht aber nur, wenn die Kirche bereit ist, Überkommenes in Frage zu stellen, z.B. den Pflichtzölibat für Priester, die Rolle der Frauen oder die Formen der Gottesdienste. Im Vertrauen auf den Geist Gottes kann und muss sich die Kirche den Herausforderungen in dieser Zeitenwende stellen. Nur so kann sie ihren wichtigsten Auftrag erfüllen: das Evangelium Jesu glaubwürdig verkünden und konkret leben. Und das geht nicht, in dem sich Christen ängstlich zurückziehen, sondern – wie es das Leitwort des Katholikentags sagt - mit anderen das Leben teilen.

Eine Weisheit aus Asien kann da Mut machen: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen!“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35406